„Armut ist Realität. Für viele Tausend Menschen in der Steiermark. Die Haussammlung der Caritas schnürt ein Schutzpaket, um die Schwächsten zu unterstützen.“ Mit einem eindringlichen Aufruf zur Solidarität von Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler startet am Wochenende die 75. Haussammlung der Caritas Steiermark unter dem Motto „Weil das Leben teuer ist wie nie. Wir helfen“. Zum Auftakt am Donnerstag in der Stadtpfarrkirche Graz verwies Bischof Wilhelm Krautwaschl auf die schwierige Lebenssituation Armutsgefährdeter und die große Bedeutung der Sammlung: „Wenn das Leben schwer leistbar wird, kommen die Haussammlerinnen und Haussammler ins Spiel, die für arme Menschen in der Steiermark um Spenden bitten.“ Bischof Wilhelm und Direktorin Tödtling-Musenbichler baten in der Grazer Herrengasse Menschen persönlich um Spenden.
Wohlstand und Sicherheit haben Lücken
Die Caritasdirektorin spannte einen Bogen zu den Anfangsjahren der traditionsreichen Sammlung, bei der jährlich viele hundert Freiwillige aus den steirischen Pfarren von Tür zu Tür gehen und um Spenden für Menschen in Not in der Steiermark bitten: „Die Not in den 1950er Jahren war überall zu spüren. Heute leben wir in großem Wohlstand und Sicherheit. Doch dieses Wir hat Lücken.“ Es gelte nicht für Menschen mit geringem Einkommen, Arbeitslose, für kranke Menschen oder jene, die von Schicksalsschlägen betroffen seien: „Das sind nicht wenige unter uns. Jeder achte Mensch in der Steiermark ist armutsgefährdet.“
Summe der Belastungen macht das Leben teuer wie nie
Die Caritas erlebe das täglich in ihren Beratungsstellen und Nothilfeeinrichtungen. „Die Neuerungen beim Sozialunterstützungsgesetz und weitere Kürzungen bringen jene Menschen in Bedrängnis, die ihr Leben unter schweren Bedingungen meistern müssen. Die Summe und die Wucht dieser Belastungen ist neu: Für armutsbetroffene Menschen wird das Leben so teuer wie nie“, so Tödtling-Musenbichler.
Begegnung schafft Verständnis
Als eine der vielen hundert Ehrenamtlichen berichtete Angela Kamper von ihren Erfahrungen als Sammlerin und Mitarbeiterin der Pfarrcaritas: „Wir erleben, dass Familien, in denen beide Eltern arbeiten, die Miete nicht mehr zahlen können. Die Fixkosten sind so hoch geworden, dass der Spielraum für Essen und andere Ausgaben extrem eng wird.“ Bei der Sammlung begegne ihr an der Haustür oft Skepsis oder Ablehnung. „Wenn ich im Gespräch schildere, wie wir helfen und dass es Menschen gibt, die nur etwas über zwei Euro am Tag frei zur Verfügung haben, dann entsteht Verständnis. Das sind schöne Begegnungen“, so Kamper.
Drehscheibe der Hilfe
Der Erlös der Sammlung, die bis Ende Mai steiermarkweit läuft, fließt in die Einrichtungen und Projekte der Caritas in der Steiermark, etwa in die Notschlafstellen, das Marienstüberl, die Lebensmittelausgaben oder in die Lerncafés. Zehn Prozent bleiben jeweils in der Pfarre für konkrete Hilfe vor Ort. Damit ist die Haussammlung eine wichtige Drehscheibe der Hilfe vor der Haustür. In den vergangenen Jahren kamen jeweils rund 600 000- 700 000 Euro zusammen.
Fotos (honorarfrei, credit: Caritas/Neuhold)
Rückfragen:
Eva Bakalli,
Abteilungsleiterin Region& Engagement
Eva.Bakalli(at)caritas-steiermark.at
Mobil: 0676-88015-224
Weitere Informationen über Projekte und Einrichtungen sowie über die Sammlung: www.caritas-steiermark.at/haussammlung
