„Soziale Kälte verhindern“: Mit einem eindringlichen Appell an Menschlichkeit und Solidarität haben Caritas und VinziWerke am Donnerstag in Graz die Maßnahmen zur Winternothilfe von Hilfsorganisationen, Stadt und Land vorgestellt. Angesichts der hohen Kosten für Lebensmittel, Wohnen und Energie rechnen die Hilfsorganisationen mit einer Verschärfung der Situation: „Die Not steigt weiterhin“, betonte Amrita Böker für die VinziWerke. „Die Gefahr steigt, dass wir mehr Menschen auf der Straße sehen werden“, hielt Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler fest. In einer gemeinsamen Anstrengung sei jedoch Hilfe möglich: „Unser gemeinsames Winterpaket zeigt, was möglich ist, wenn öffentliche Hand und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen und Menschen in Not nicht alleinlassen“.
Warmer und sicherer Zufluchtsort: „Kein Privileg, sondern Grundbedürfnis“
Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr unterstrich die Bedeutung des Zusammenspiels von öffentlicher Hand und Organisationen: „Ein warmer und sicherer Zufluchtsort ist kein Privileg, sondern ein menschliches Grundbedürfnis. Mein Dank gilt den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Grazer Sozialamts, der Caritas, der VinziWerke und allen anderen, die sich dafür einsetzen, dass alle, die Unterstützung möchten, sie auch bekommen.“
Steigende Auslastung und vielschichtigere Problemlagen
VinziWerke-Geschäftsführerin Böker sieht einen herausfordernden Winter kommen. Die steigende Not mache sich überall bemerkbar: „Das merken wir anhand unserer Auslastungszahlen in den Notschlafstellen, aber auch bei den Grundversorgungsangeboten. Gleichzeitig wird der Beratungsaufwand größer und die Problemlagen der Menschen vielschichtiger“, beschreibt Böker die Situation. „Dank der großen Solidarität von vielen Privatpersonen, aber auch Unternehmen, Kooperationspartner*innen, der öffentlichen Hand und der Diözese Graz-Seckau ist es uns gelungen, unser Angebot aufrecht zu erhalten und alle Arbeitsplätze zu sichern.“
Soziale Kälte verhindern
Caritasdirektorin Tödtling-Musenbichler verwies auf die schwieriger werdenden Rahmenbedingungen: „Wenn, wie aktuell, über Einschränkungen bei der Sozialhilfe diskutiert wird, während das Wohnen, Energie und Heizkosten kostspieliger werden, dann müssen wir uns über die Konsequenzen im Klaren sein: Wir werden mehr Menschen auf der Straße sehen“, so Tödtling-Musenbichler. „Winterliche Kälte können wir nicht verhindern. Soziale Kälte, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treibt, sehr wohl.“
Kräfte wirken zusammen
Es bleibe jedoch Aufgabe aller Kräfte in Politik und Gesellschaft, Menschen in Notsituationen aufzufangen: „Das ist in Graz und der Steiermark möglich, weil viele Kräfte zusammenwirken: Die Stadt Graz, das Land Steiermark, die VinziWerke, wir als Caritas – und nicht zuletzt die zahlreichen engagierten freiwilligen Helferinnen und Helfer“, so die Caritasdirektorin.
Solidarität und Zivilcourage
Das Kältetelefon der Caritas sei jenes Angebot, in dem sichtbar werde, wie stark die Solidarität ausgeprägt sei. „Ein Anruf beim Kältetelefon ist kein gewöhnlicher Anruf“, hielt Tödtling-Musenbichler fest: „Er zeugt von Aufmerksamkeit und Zivilcourage. Das ist es, was unsere Gesellschaft zusammenhält. In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Diskurs sowie der Umgang mit Menschen in Not rauer wird, ist diese gelebte Menschlichkeit wichtiger denn je. Dass es in Graz und in der Steiermark so viele Menschen gibt, die diesem Impuls folgen, dafür bin ich sehr dankbar.“
Hilfsorganisationen schaffen zusätzliche Plätze im Winter
Die Caritas hat für die kommende Saison die Winternothilfe neu strukturiert. In den kalten Monaten stehen 35 zusätzliche Schlafplätze zur Verfügung, die in die bestehenden Notschlafstellen Arche 38 und FranzisCa integriert wurden. Die Versorgung der Menschen tagsüber ist weiterhin in der Bahnhofmission und im Marienstüberl möglich. Auch die VinziWerke erweitern mit Notbetten ihre Kapazitäten, um in der Kälte niemanden abweisen zu müssen. In diesem Sinne wirkten Sozialorganisationen und öffentliche Hand zusammen, um Hilfe und Schutz für bedürftige Menschen zu gewährleisten, betonten die Beteiligten: „Auch in herausfordernden Zeiten ist klar: Niemand soll in Graz im Winter auf der Straße schlafen müssen.“
Informationen zur Winternothilfe der Caritas
Kältebus
Als langjähriger Partner unterstützt das Autohaus Gady das Kältetelefon und stellt in jeder Saison ein geeignetes Fahrzeug zur Verfügung, mit dem die Teams abends zu den Schlafstellen Obdachloser fahren.
Kältetelefon für Graz:0676 880 15 8111
Das Caritas-Kältetelefon für Graz ist von November bis Ende März 2026 erreichbar.
Wenn es draußen kälter wird, ist die Not, kein Bett im Warmen zu haben, besonders groß. Wer in Graz in den Abendstunden den Schlafplatz eines obdachlosen Menschen bemerkt, kann von 18 bis 24 Uhr die Nummer 0676 880 15 8111 anrufen.
Das ehrenamtliche Team des Caritas-Kältetelefons nimmt Kontakt zu dem/der Obdachlosen auf und bietet die Unterbringung in einer Notschlafstelle an. Menschen, die diese Möglichkeit ablehnen, erhalten als Not-Paket nach Bedarf einen warmen Schlafsack, eine Decke und Kleidung. Zudem versorgt das Team sie mit warmem Tee und Snacks.
Bilanz Kältetelefon 2025/26
Das Caritas-Kältetelefon klingelte im vergangenen Winter 2025/26 insgesamt 808-mal.
Über 50 Freiwillige waren im Einsatz, um bei ihren Ausfahrten Menschen, die im öffentlichen Raum nächtigen, zu versorgen und zu unterstützen. Sie trafen 458-mal Menschen im Freien an. In 408 Fällen wurden wärmender Tee und kleine Snacks verteilt, zudem konnten 86 Materialpakete mit Isomatte, Schlafsack und warmer Kleidung übergeben werden. 19-mal gelang es, Menschen in eine Notschlafstelle zu vermitteln. In der Winternotschlafstelle verzeichnete die Caritas rund 4800 Nächtigungen und nahezu 95 Prozent Auslastung.
Winternotschlafplätze
Die im Winter zusätzlich notwendigen Schlafplätze wurden in die bestehenden Notschlafstellen Arche 38 für Männer und FranzisCa für Frauen, auch mit Kindern, integriert. Durch Umgestaltung und Adaptierung der Räumlichkeiten stehen an den ganzjährig geöffneten Standorten von November bis Ende März zusätzlich insgesamt 35 Winternotschlafplätze zur Verfügung.
Arche 38, Notschlafstelle für volljährige Männer, Eggenberger Gürtel 38, 8020 Graz
- 31 reguläre Notschlafstellenplätze ganzjährig
- 4 Notschlafstellenplätze Mensch und Tier
- 7 Nächtigungsgäste in der Notschlafstelle Plus
- Winterbetrieb 25 zusätzliche Plätze
Notschlafstelle Leoben
- 12 Notschlafstellenplätze
FranzisCa Notschlafstelle für Frauen, Georgigasse, 8020 Graz
- 20 Plätze, dazu Plätze flexibel gestaltbar für begleitende Kinder ganzjährig
- 10 zusätzliche Winternotplätze für Frauen, flexible Plätze für begleitende Kinder
O-Ton Nora Tödtling-Musenbichler
Ein Anruf beim Kältetelefon ist kein gewöhnlicher Anruf. Er zeugt von Aufmerksamkeit und Zivilcourage. Er zeugt davon, dass jemand nicht einfach weitergeht, wenn er sieht: da ist etwas nicht in Ordnung. Und diese zutiefst menschliche Regung, hinzusehen und dafür zu sorgen, dass Hilfe kommt – das ist Solidarität. Das ist es, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Gerade in Zeiten, in denen der gesellschaftliche Diskurs sowie der Umgang mit Menschen in Not rauer wird, ist diese gelebte Menschlichkeit wichtiger denn je. Dass es in Graz und in der Steiermark so viele Menschen gibt, die diesem Impuls folgen, dafür bin ich sehr dankbar.
Wir müssen auch über die strukturellen Rahmenbedingungen sprechen. Wenn, wie aktuell, über Einschränkungen bei der Sozialhilfe diskutiert wird, während das Wohnen, Energie und Heizkosten kostspieliger werden, dann müssen wir uns über die Konsequenzen im Klaren sein: Die Gefahr steigt, dass wir mehr Menschen auf der Straße sehen werden. Winterliche Kälte können wir nicht verhindern. Soziale Kälte, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treibt, sehr wohl.
Solange Menschen dennoch in Not geraten, müssen wir dafür sorgen, dass sie nicht allein gelassen werden. Sie in solchen Situationen auffangen zu können, ist möglich, weil viele Kräfte zusammenwirken: Die Stadt Graz, das Land Steiermark, die VinziWerke, wir als Caritas – und nicht zuletzt die zahlreichen engagierten freiwilligen Helferinnen und Helfer. Unser gemeinsames Winterpaket zeigt, was möglich ist, wenn die öffentliche Hand und die Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen und Menschen in Not nicht alleinlassen.
Elke Kahr, Bürgermeisterin der Stadt Graz und Sozialstadträtin:
„Es ist wichtig, dass in der kalten Jahreszeit niemand im Freien schlafen oder frieren muss. Ein warmer und sicherer Zufluchtsort ist kein Privileg, sondern ein menschliches Grundbedürfnis. Mein Dank gilt den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Grazer Sozialamts, der Caritas, der VinziWerke und allen anderen, die sich dafür einsetzen, dass alle, die Unterstützung möchten, sie auch bekommen.“
