Hilfe in Bulgarien

© Patrick Wally

Zwischen Fortschritt und Ausgrenzung: Soziale Realität in Bulgarien

Trotz wirtschaftlicher Fortschritte bleibt Bulgarien eines der ärmsten Länder der EU. Besonders Kinder aus benachteiligten Familien sind von sozialer Ausgrenzung betroffen. Die Caritas setzt sich für gerechte Chancen und eine bessere Zukunft ein. 

Herausforderungen in einem EU-Mitgliedstaat

Seit dem EU-Beitritt 2007 hat Bulgarien wirtschaftliche Fortschritte gemacht. Dennoch sind Armut, soziale Ausgrenzung und ungleiche Bildungschancen weiterhin Realität. Viele Familien leben mit niedrigen Einkommen, unsicheren Arbeitsverhältnissen und ohne ausreichende staatliche Unterstützung. Obwohl die Löhne in den letzten Jahren gestiegen sind, können sie mit den Lebenshaltungskosten nicht Schritt halten. Lebensmittel, Mieten und Energiepreise liegen oft auf ähnlichem Niveau wie in Österreich – ein würdiges Leben bleibt für viele Menschen unerreichbar.

Kinder in mehrfacher Notlage

Viele Kinder in Bulgarien sind gleich von mehreren Risikofaktoren betroffen: Armut, soziale Ausgrenzung, fehlende elterliche Betreuung, mangelnde Bildungschancen und gesundheitliche Einschränkungen. Besonders betroffen sind Kinder aus ethnischen Minderheiten, aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau oder aus Haushalten, in denen ein Elternteil fehlt oder im Ausland arbeitet. Diese komplexen Herausforderungen führen dazu, dass viele Kinder frühzeitig aus dem Bildungssystem herausfallen, in gefährdeten Umgebungen aufwachsen oder sogar von ihren Familien getrennt werden. Besonders betroffen sind Roma-Kinder – Schätzungen zufolge besuchen 15 % von ihnen keine Schule. Die Gefahr von Gewalt, Vernachlässigung und langfristiger Isolation ist hoch. 

Abwanderung und demografischer Wandel

Seit dem Ende der 1980er-Jahre hat Bulgarien fast ein Drittel seiner Bevölkerung verloren. Die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen in andere EU-Länder führt zu einer alternden Gesellschaft und zu ganzen Regionen, in denen vor allem Kinder und ältere Menschen zurückbleiben. Das Vertrauen in Politik und Institutionen ist gering. Korruption, ungleiche Lebensbedingungen und fehlende soziale Absicherung verstärken das Gefühl der Perspektivlosigkeit – besonders auf dem Land.

Caritas-Schwerpunkt: Unterstützung für Kinder

Seit 1993 ist die Caritas Steiermark gemeinsam mit der Caritas Sofia in Bulgarien tätig. In vier Kindertagesstätten – in Sofia, Kuklen, Malko Tarnovo und Banya – erhalten rund 230 Kinder täglich eine Mahlzeit, soziale Betreuung, Lernunterstützung und Geborgenheit. Diese Hilfe gibt ihnen Halt, fördert ihre Entwicklung und eröffnet neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben.


 

Ein kleiner Junge bläst Seifenblasen in die Luft.
Not ist kein Kinderspiel

Not ist kein Kinderspiel

Caritas-Projekte vor Ort:

Frühförderung für die Kleinsten - Bulgarien

Das Projekt „I am studying and playing in Bulgarian“ unterstützt 25 Kinder aus der Minderheit der Roma. Damit die Kleinen keine Startverzögerungen beim Schuleintritt haben, erlernen sie auf spielerische Weise auf Bulgarisch sprechen, zählen und singen.

Kindgerecht aufwachsen dürfen - Bulgarien

In der Kindertagesstätte in Malko Tarnovo, nahe der Grenze zur Türkei, bekommen 20 Kinder das, was sie zum Erwachsenwerden brauchen: Verpflegung, Hilfe bei den Hausaufgaben und das Handwerkszeug für ein selbstständiges Leben.

Auf dem Weg zum Schulabschluss - Bulgarien

Täglich ein warmes Essen, Lernunterstützung und jemanden zum Reden: All das hilft 65 Schülerinnen und Schülern im südbulgarischen Dorf Banya, die Schule positiv abzuschließen.

Kurzinfo: Armut in Bulgarien

  • mit 436 Euro brutto der geringste Durchschnittslohn in der EU
  • 83 Euro Mindestpension/Monat
  • 19 Euro Kindergeld/Monat
  • Milch u. Benzin kosten dabei etwa gleich viel wie in Österreich
Mitarbeiter des St. Anna Integrationszentrums kümmern sich um Kinder im Flüchtlingscamp Vrashdebna.
Integrationshilfe für Menschen auf der Flucht in Bulgarien

Projektreferentin

BSc MA Alina Jenšac

Länderreferentin Bulgarien, Rumänien, Bosnien und Herzegowina