Kautionen für Flüchtlinge

Für die langfristige Integration der Flüchtlinge ist eine gesicherte Wohnsituation unabdingbar. Doch auch die Situation am Wohnungsmarkt hat sich verschärft; hohe Wohnungseinstandskosten sind gerade für „frisch“ Asylberechtigte kaum finanzierbar. Der Caritas „Kautionsrevolvingfonds“, der mithilfe der Diözese eingerichtet wurde, ist eine nachhaltige Möglichkeit, Flüchtlingen zu helfen.

Fallbeispiel Familie H.:

Familie H. ist vor dem Krieg in Syrien geflohen und hat auf ihrem Fluchtweg in Österreich um Asyl angesucht. Nach einiger Wartezeit im Flüchtlingsquartier bekam die Familie die gute Nachricht: Ihnen wurde der Asylstatus zugesprochen, ein grauer Reisepass der sie ermächtigt, sich in Österreich ein neues Leben aufzubauen. Mit dieser Nachricht sind allerdings nicht nur Rechte sondern auch Pflichten verbunden. Ab sofort muss die Familie selbst für Verpflegung, Lebensunterhalt, Arzttermine, Behördengänge, der Kommunikation mit Schulen, … sorgen. Die größte Sorge ist allerdings die Frist von 4 Monaten. Soviel Zeit hat die Familie, um ihre erste private Wohnung zu finden, soviel Zeit, um das Flüchtlingsquartier zu verlassen. Die Plätze im Quartier sind schon für weitere Flüchtlingsfamilien reserviert, die Auszugsfrist drängt, der Druck steigt.

Die Familie hat es am Wohnungsmarkt schwer. Sie spricht noch wenig Deutsch und nur gebrochenes Englisch, wollen in der Region bleiben, in denen ihre Kinder zur Schule und in den Kindergarten gehen. Viele potenzielle Vermieter verlangen nicht nur einen Einkommensnachweis, den sie nicht nachweisen können, da sie ja im Asylverfahren nicht arbeiten durften. Auch das Taschengeld als Asylsuchender ist gering und reicht bei weitem nicht aus die anfallende Kaution, erste Miete oder sogar Provision auf den Tisch zu legen, um die erste Wohnung beziehen zu können. Der Druck steigt. Die Familie lässt sich von der Caritas Integrationsbetreuung beraten und erfährt über die Möglichkeit, sich vom Kautionsfonds Geld auszuborgen, das sie in Raten zurückzahlen können. Außerdem unterstützt sie die Caritas in der Kommunikation mit den Vermietern und der Vermittlung von Wohnungen. Die Kaution für die 3-Zimmer Wohnung macht 1.500€ aus. Mit Hilfe des Kautionsfonds und der Ratenvereinbarung konnte die Familie diese Hürde überwinden und endlich in ihr Leben in Österreich starten.

 

Ausgangslage:

Suchen Menschen auf der Flucht in Österreich um Asyl an und erhalten einen positiven Bescheid, müssen sie binnen vier Monaten ihre AsylwerberInnen-Unterkunft verlassen und selbst eine Unterkunft finden. Für „frisch“ Asylberechtigte gibt es dabei mindestens eine große Hürde: die Wohnungskaution. In vielen Fällen haben Flüchtlinge ihre letzten Ersparnisse für die Flucht nach Europa aufgebraucht und können sich keine Kaution leisten. Das Mieten einer eigenen Wohnung ist allerdings ein wichtiger Schritt in Richtung selbstbestimmtem Leben und guter Integration.

 

Unterstützung aus dem Wohnungskautionsfonds:

Die Mobile Integrationsbetreuung der Caritas Steiermark bietet Asylberechtigten, subsidiär Schutzberechtigten und Personen mit humanitärem Aufenthaltstitel ein zinsfreies Kautionsdarlehen an. Dieses wird einmalig nach Überprüfung der finanziellen Situation gewährt und in individuell vereinbarten Raten zurückgezahlt.

Durch diverse Sicherungsmaßnahmen wird eine konsequente Rückzahlung gewährleistet: So wird das Darlehen erst dann direkt an den Vermieter / die Vermieterin überwiesen, wenn eine Dauerauftragsbestätigung über die monatliche Rückzahlungsrate vorlegt wird. In einem ausführlichen Beratungsgespräch inklusive mehrsprachiger Informationsblätter wird den KlientInnen das Prinzip des Kautionsfonds‘ erläutert. Die aus dem Kautionsfonds Begünstigten werden außerdem dauerhaft begleitet und betreut, sodass etwaige Zahlungsschwierigkeiten individuell besprochen werden können. Die Rückzahlungsquote liegt derzeit bei 100%.

Folgende Beträge werden maximal (abhängig von anderen Unterstützungsmöglichkeiten, die eingehend überprüft werden) vergeben:

1 Person - 800€

2 Personen - 1200€

3 Personen - 1500€

4 Personen - 2000€

5 Personen - 2500€

ab 6 Personen - 3000€


Die Arbeit der Mobilen Integrationsbetreuung

Die Mobile Integrationsbetreuung der Caritas Steiermark arbeitet seit zehn Jahren mit Personen, die einen Status als Asylberechtigte, subsidiär Schutzberechtigte oder einen humanitären Aufenthaltstitel bekommen. Nach der Statuszuerkennung führen die MitarbeiterInnen mit den Flüchtlingen ein umfangreiches Erstgespräch, in dessen Rahmen neben personenbezogenen Daten die aktuelle Lebenssituation, aber auch Ausbildungshintergrund und Wohnsituation erfasst werden. Im Verlauf der weiteren Beratung und Betreuung unterstützt die Mobile Integrationsbetreuung je nach individuellem Bedarf bei Behördenkontakten, der Suche von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie beim Wohnungseinstieg. Außerdem bieten wir Workshops, Sprachtandems, Patenschaften und weitere die Integration unterstützende Maßnahmen. Durch den unmittelbaren Kontakt mit der Regionalbetreuung der Caritas, die vom Land Steiermark mit der Betreuung der AsylwerberInnen beauftragt wurde, findet die Zielgruppe niederschwellig Zugang zu den beschriebenen Angeboten. Durch unsere langjährige und umfassende Erfahrung mit Flüchtlingen können wir neben den Zahlungen aus dem Kautionsrevolvingfonds vielfältige Unterstützung beim Wohnungseinstieg bieten.

 

Bei Fragen zum Wohnungskautionsfonds oder zur Arbeit der Mobilen Integrationsbetreuung wenden Sie sich bitte an Katharina Kubizek, katharina.kubizek(at)caritas-steiermark.at, 0676 880 152 29.