Heimo ist unser heimlicher Held. Nicht nur, weil das so gut zu seinem Namen passt...

 

Vor kurzem hat Heimo die dritte Saison als Mitarbeiter in der Caritas-Winternotschlafstelle begonnen. In den nächsten Wochen und Monaten möchten wir euch an dieser Stelle einen kleinen Einblick in seine Tätigkeiten und seinen Alltag in der Notschlafstelle geben.

 

Ursprünglich kommt der 22-Jährige aus einer ruhigen, fast verschlafenen Gegend in der Nordwest-Steiermark, „sichtbare Armut" gibt es dort keine, wie er erzählt. Während seines Zivildienst in der Caritas-Notschlafstelle Arche 38 in Graz kommt Heimo erstmals mit Menschen in Berührung, die vor dem Nichts stehen - eine Erfahrung, die ihn nicht kalt lässt.

Nach den prägenden Monaten in der Arche 38 war für Heimo klar, auch in Zukunft im sozialen Bereich arbeiten zu wollen und er begann, an der FH Joanneum in Graz „Soziale Arbeit“ zu studieren.

Nebenbei arbeitet er von November bis Anfang April bereits zum dritten Mal in der Winternotschlafstelle. Einerseits, um das Studium zu finanzieren, andererseits weil er weiß, dass diese Arbeit wichtig und vor allem notwendig ist.

„Bei uns kommen Leute unter, die sonst nirgendwo Platz finden, und es freut mich, ihr Leben durch meine Hilfe zumindest ein kleines bisschen heller zu machen…"

 

 

Heimo im Interview

Für Heimo ist es bereits die dritte Saison in der Winternotschlafstelle.

  • Wieviele Stunden arbeitest du in der Winternotschlafstelle?

Derzeit bin ich für 15 Wochenstunden angestellt. Aufgrund meines Studiums arbeite ich meistens am Wochenende.

 

  • Wie gehst du mit der Not in deiner Arbeit um?

Wir arbeiten mit Menschen in akuten Not- und Krisensituationen. Das macht natürlich etwas mit mir und meinen KollegInnen – ich persönlich versuche ein passendes Nähe- und Distanzverhältnis zu den KlientInnen aufzubauen: Das wichtigste dabei ist es, einen Balanceakt zwischen zu starkem Mitfühlen und Gleichgültigkeit zu erreichen. Nur so kann die Arbeit gelingen und es geht einem selbst auch gut dabei.

 

  • Beschäftigt dich deine Arbeit zu Hause weiter?

Ich versuche, nicht zu viel Gesehenes und Geschehenes mit nach Hause zu nehmen und darüber bis ins Unendliche zu grübeln. Dabei hilft mir mein Freundeskreis oder auch Freizeitaktivitäten. Am besten entspanne ich bei ausgedehnten Bergtouren, heuer war ich zum Beispiel am Mont Blanc.

 

  • Ihr sperrt jeden Tag um 15h auf, warten da schon  Leute vor der Tür?

Das ist unterschiedlich – wenn es sehr kalt ist, warten schon 10-15 Personen. Bis 19 Uhr sind die meisten Betten bereits besetzt. Im Nachtdienst ab 22 Uhr kommen nur noch vereinzelt Leute. Manchmal kommt es auch vor, dass mitten in der Nacht jemand vorbeikommt oder vollkommen unterkühlt von der Rettung gebracht wird. Da muss man je nach Situation adäquat reagieren. Natürlich ist man dann von einem „gesunden Schlaf“ als Mitarbeiter weit entfernt.

Die Tassen stehen für die Übernachtungsgäste zum Aufwärmen bereit.

  • Warum hast du dich für diese Arbeit entschieden?

Mein Zivildienst in der Arche 38 hat mich sehr positiv beeindruckt und damit ist auch die Lust und Neugier an dieser Arbeit entstanden. Andererseits ist es auch eine große Portion Idealismus, denn ich bin der Meinung, dass Wohnen ein Menschenrecht ist und dass wir in der Winternotschlafstelle zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen – dies sind meine humanitären Werte, die in meine Arbeit einfließen. Zusätzlich ist es eine auch Praxiserfahrung für mein Studium. Ich finde es auch spannend, dass man vor einem Dienst nie weiß, wer oder was auf einem zukommt, das bringt die Arbeit mit Menschen mit sich – es wird nie langweilig.

 

  • Was ist für dich trotz der Not das Schöne an der Arbeit?

Das Schöne sind vor allem kleine Schritte in Richtung eines „gelingenderen Lebens“ für die Klienten. So ist mir vor allem eine Situation im Hinterkopf geblieben, wo mir ein um die 40 Jahre alter Mann mit tränenden Augen seine Dankbarkeit zeigte und sagte: „Sie wissen gar nicht, was das für mich bedeutet, was Sie für mich machen“. Wir hatten gemeinsam eine geeignete Pflegeeinrichtung für ihn gefunden. An solchen Momenten muss man festhalten, sie bestärken einen in seinem Tun und Schaffen. Allgemein kann ich sagen, dass mir Dankbarkeit und kleine Erfolge die Kraft geben, diese Arbeit anzugehen.

 

  • Was ist deiner Meinung nach den Bedürftigen am Wichtigsten?

Das ist grundverschieden: Das Bett wird bei -20 Grad draußen natürlich zum wichtigsten Gut. Aber auch eine gewisse Gemeinschaft und soziale Kontakte sind wichtig. Manche suchen auch entlastende Gespräche bei mir und man kann im groben an Lösungsvorschlägen arbeiten.

 

  • Gibt es Bedürftige die zwar zum Schlafen kommen, aber sonst keinen Kontakt wollen?

Ja gibt es durchaus. Die Notschlafstellen in Graz erfassen schließlich nur Obdachlose, welche auch gewillt sind hier zu schlafen. Es gibt aber auch zahllose Leute die – vor allem im Sommer – zum Beispiel in Parks oder Tiefgaragen schlafen und soziale Kontakte meiden.

Bei uns vertragen die Klienten also ein „Mindestmaß an sozialen Kontakten“, sonst wären sie nicht hier. Die Entscheidung in einer Notschlafstelle zu schlafen oder nicht, liegt schlussendlich jedoch bei den Menschen selber. Man kann niemanden dazu zwingen.

 

  • Wie läuft so eine Nacht ab – ruhig, oder kommt es oft zu unerwarteten Ereignissen?

Ganz verschieden: Manche Nächte sind ganz ruhig, aber es kommt auch immer wieder zu Zwischenfällen. Einmal hatte ein Klient zum Beispiel einen epileptischen Anfall, das war heftig. Aber auch Handgreiflichkeiten können vorkommen – da muss man dann schnell reagieren.

Gibt es keine solche Zwischenfälle, komme ich zumindest  zu ein paar Stunden Schlaf :)