Bulgarien - ärmstes Land in der EU

Bulgarien ist seit 1. Jänner 2007 Mitglied der Europäischen Union und hat seit 1. Jänner 2018 den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft inne. Dennoch ist, gemessen am EU-Standard, die soziale Lage im Balkanstaat schwierig bis katastrophal.

Geringer Lohn, schwaches Sozialsystem

Auch am Beginn des 11. Jahres seiner EU-Mitgliedschaft gilt Bulgarien als ärmstes Land in der EU. 34,2 Prozent der Bevölkerung sind von erheblicher materieller Entbehrung betroffen (in Österreich: 3,6 Prozent). Mit monatlich umgerechnet 436 Euro brutto erhalten Bulgarinnen und Bulgaren den niedrigsten Durchschnittslohn in der EU. Die Mindestpension beträgt umgerechnet Euro 83 pro Monat, die monatliche Sozialhilfe liegt bei umgerechnet 33 Euro pro Person, das monatliche Kindergeld bei umgerechnet 19 Euro pro Kind. Die Preise für Milch und Benzin sind nahezu genau so hoch wie in Österreich, und unverhältnismäßig hoch sind auch Heizkosten oder Strom. Das erklärt auch, warum trotz einer verhältnismäßig niedrigen Arbeitslosenrate von derzeit 8 % (Stand: 2017) viele Bulgarinnen und Bulgaren in Armut leben. Viele müssen schlecht bezahlten Zweit- und Drittjobs nachgehen oder arbeiten als so genannte "Tagelöhner".

Armut führt zu Abwanderung in den Westen

Von den wenigen positiven wirtschaftlichen Entwicklungen profitiert nur eine privilegierte Minderheit, die in den größten Städten des Landes lebt. Wer kann, verlässt das Land (vor allem in Richtung Deutschland), und zurück bleiben unzureichend qualifizierte Menschen, Kinder oder alte Menschen. Seit der politischen Wende haben knapp zwei Millionen Menschen das Land verlassen. Niedrige Geburtenrate, Armutsmigration und die Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte (brain drain) ließen das Land von 1990 bis heute von neun auf sieben Millionen Menschen schrumpfen. Die Zahl Obdachloser nimmt stetig zu, und Kinder aus sozial schwachen Familien wird der Zugang zu Bildung vor allem in strukturschwachen Gebieten erschwert. Nur jedes zweite Kind aus der Minderheit der Roma (in Bulgarien etwa 9 % an der Gesamtbevölkerung) schließt die Volksschule positiv ab.

Caritas Schwerpunkt: Kinder in Not

Seit 1993 ist die Caritas Steiermark in Bulgarien tätig und unterstützt ihre Partnerin, die Caritas Sofia, in ihrer Arbeit vor Ort. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien auf ihrem Weg hin zum erfolgreichen Schulabschluss: In vier Kindertagesstätten in Sofia, Kuklen, Malko Tarnovo und Banya erhalten 155 Kinder im Alter zwischen drei und 14 Jahren täglich eine Jause oder ein warmes Mittagessen, soziale Betreuung, Lernunterstützung und Geborgenheit - und damit das wichtigste auf dem Weg zu einem eigenständigen Leben.

Hilfe für Kinder in Not

Unterstützen Sie Kinder mit Nahrung, Bildung und Betreuung.

Caritas-Projekte vor Ort:

Frühförderung für die Kleinsten

Das Projekt „I am studying and playing in Bulgarian“ unterstützt 25 Kinder aus der Minderheit der Roma. Damit die Kleinen keine Startverzögerungen beim Schuleintritt haben, erlernen sie auf spielerische Weise auf Bulgarisch sprechen, zählen und singen.

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Kindgerecht aufwachsen dürfen

In der Kindertagesstätte in Malko Tarnovo, nahe der Grenze zur Türkei, bekommen 20 Kinder das, was sie zum Erwachsenwerden brauchen: Verpflegung, Hilfe bei den Hausaufgaben und das Handwerkszeug für ein selbstständiges Leben.

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Auf dem Weg zum Schulabschluss

Täglich ein warmes Essen, Lernunterstützung und jemanden zum Reden: All das hilft 65 Schülerinnen und Schülern im südbulgarischen Dorf Banya, die Schule positiv abzuschließen.

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Hilfe für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

Im mittelbulgarischen Kuklen bekommen Schulkinder in der Tagesstätte der Caritas Sofia Lernunterstützung und ein warmes Essen. Der Schwerpunkt liegt in der Betreuung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen.

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Integration für geflüchtete Kinder und Erwachsene

Im „St. Anna Center for Refugee and Migrant Integration“ in der bulgarischen Hauptstadt Sofia erhalten geflüchtete Menschen und Asylwerbende psychosoziale und medizinische Beratung, Rechtshilfe und Unterstützung bei der Suche nach Arbeit. In sechs bulgarischen Flüchtlingslagern sind so genannte "Play Schools" für Kinder eingerichtet, wo sie die Landessprache lernen, Kleidung und Nahrung bekommen und einfach Kind sein können.

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