5. Studientage - Komplexe Suchtarbeit

Workshops Ganztag

Workshop 4 - Ganztag

Dr. Charlotte Cordes (geb. Höfner)

Glauben Sie ja nicht, wer Sie sind. Untertitel: Humor in der (Sucht)beratung durch Provokative SystemArbeit (ProSA®)

Die Provokative SystemArbeit ist eine Kommunikationsform, die sich aus der Provokativen Therapie von Frank Farrelly entwickelt haben. Sie repräsentiert eine energiegeladene Art der Kommunikation in der Beratung (Therapie, Coaching, Mediation usw.), die im professionellen Kontext eher ungewöhnlich ist. Wer Sinn für Humor hat und Lachen bei der Arbeit nicht für eine unnütze oder gar schädliche Zeitverschwendung hält, wird feststellen, dass provokative Interventionen eine sehr nützliche Bereicherung des beraterischen Repertoires darstellen und sich in fast jeden Therapie-und Beratungsstil einbauen lassen. Grundlage des provokativen Ansatzes ist eine hohe Wertschätzung des Klienten und die Überzeugung des Beraters, dass der Klient mündig und stark ist und alle Ressourcen zur Verfügung hat, um sein Problem zu lösen. Berater und Klient begegnen sich daher auf Augenhöhe. Der Berater fungiert nur als Katalysator, der die konstruktiven Energien des Klienten weckt und dessen Selbstheilungskräfte aktiviert. Provokative Interventionen werden als Kurzzeittherapie eingesetzt und erzielen sehr schnelle und nachhaltige Veränderungen beim Klienten. Die Kernstücke sind Humor und Herausforderung: Das Lachen über sich selbst entspannt den Klienten. Die humorvolle Verzerrung und Übertreibung seiner eingefahrenen und selbstschädigenden Glaubenssätze und Verhaltensweisen provozieren seinen emotional geladenen Widerstand dagegen, der damit sinnvoll genutzt wird, anstatt sich kontraproduktiv gegen den Therapeuten zu richten. Die emotionale Neuorientierung öffnet dem Klienten die Türe zu neuem Denken und ermöglicht ihm eine angstfreie Erprobung neuer Verhaltensweisen.

In Ihrem Workshop stellt Dr. Charlotte Höfner die Provokative Vorgehensweise vor und zeigt anhand von Live-Demonstrationen, wie sie selbst in ihrer Beratungspraxis arbeitet. Außerdem bekommen die Teilnehmer die Möglichkeit, die Provokative SystemArbeit in einigen Übungssequenzen selbst auszuprobieren.

Workshop 10 - Ganztag

Dr. rer. nat. Dietmar Czycholl

Interkulturelle Kompetenz in der Suchthilfe

Migration - und Flucht ganz besonders - ist ein gravierendes im Leben eines Menschen. Sie geht mit erheblichen Belastungen und einer Vielzahl von Risiken einher, welche durch Haltungen und Reaktionen der Mitglieder und Institutionen der aufnehmenden Gesellschaft häufig noch verstärkt werden. Soziale Auffälligkeit, psychische Probleme, Rauschmittelprobleme oder Abhängigkeitserkrankungen und andere „Integrationsprobleme“ sind nicht losgelöst vom Migrationshintergrund der Betroffenen und den Reaktionen in der Aufnahmegesellschaft zu verstehen.

Die Fachdienste der Suchthilfe stehen vor der Aufgabe, ihre Angebote und Leistungen auch für die Zugewanderten aus anderen Kulturkreisen zugänglich zu machen. Dieser Aufgabe stehen oft gewohnte Abläufe, „eingefleischte“ Kommunikationsmuster und andere kulturbedingte Zugangsbarrieren auf beiden Seiten im Wege.

Die Suchthilfe ist gefordert, interkulturelle Kompetenzen auszubauen. Träger, Teams und die Fachkräfte können durch die systematische Entwicklung einer inter- und transkulturellen Kompetenz eine Brücke von der Suchthilfe zu den betroffenen Menschen anderer Kulturen bauen.

Inhalte

  • Sucht und Migration: ein Zusammenhang
  • Sozialpsychologie der Aufnahmegesellschaft
  • Erkennen und Überwinden von Zugangsbarrieren
  • Interkulturelles Verständnis und Missverständnis
  • Interkulturelle Kompetenz und Öffnung
  • Kooperation mit Migrationsorganisatoren

Workshops Vormittag

Workshop 1

Univ.-Doz. Dr. med. Martin Kurz - nur mehr Restplätze vorhanden

Professionelle und KlientInnen-Rollen im Recovery-Prozess

Im Rahmen des Workshop sollen die recovery-spezifischen Aufgaben der Professionisten in der Suchthilfe dargestellt und  anhand von Fallbeispielen aus der täglichen Praxis vertieft werden.

Insbesondere wird der Schwerpunkt auf von KlientInnen und Professionisten möglicherweise konflikthaft erlebte neue Rollenfunktionen, Menschenbilder und Zielvorstellungen gelegt werden, welche im Rahmen eines Recovery-orientierten Paradigmenwechsels auftreten und Lösungen für die Neuorientierung gesucht werden.

Workshop 2

Christel Lüdecke - Ausgebucht

Traumabehandlung bei Menschen mit Suchterkrankungen

Aufgrund der hohen Traumatisierungsrate bei Menschen mit Suchterkrankungen ist die Diagnostik von Traumafolgestörungen im Suchthilfesystem dringend erforderlich. Eine integrative Behandlung ermöglicht auch bei Suchterkrankten eine erfolgreiche psychotraumatologische Behandlung. Dabei müssen DrogenpatientInnen weder abstinent sein noch ihre Drogenabhängigkeit unter Ausschluss ihrer Traumafolgestörung bereits behandelt haben. Auch AlkoholpatientInnen müssen im Vorfeld keine längerfristige Abstinenz nachweisen. Die Traumabehandlung findet unter fortlaufender Suchtstabilisierung in drei Phasen – Traumasensibilisierung, Traumastabilisierung und Traumasynthese – statt. Bei integrativer Behandlung kann die Abwärtsspirale, die sich durch gegenseitige negative Beeinflussung von Trauma und Sucht bedingt, unterbrochen und eine Besserung beider Erkrankungen erreicht werden. In diesem Workshop sollen nach Erläuterung der neurobiologischen Zusammenhänge von Traumafolgestörungen und Sucht die neuen Behandlungsverfahren einer erfolgreichen integrativen Traumatherapie bei Suchtkranken vorgestellt und deren Besonderheiten erläutert werden.

Workshop 6

Stefan Zahs & Vincenzo Mannino

"Nothing about us without us”
Betroffenenpartizipation, Recoveryorientierung und Peermitarbeit in der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen

Partizipative und recoveryorientierte Ansätze in der Psychiatrie lösen heute zunehmend paternalistisch geprägte Behandlungskonzepte ab. Dabei ist „Nothing about us withot us“ schon lange eine der zentralen Forderungen von Betroffenen an die Psychiatrie. Die Institutionen und Gesundheitssysteme orientieren sich deshalb vermehrt nach den Bedürfnissen und Anliegen der Betroffenen. Ihre Mitsprachemöglichkeiten werden gefördert und individuelle Sichtweisen gewinnen so zunehmend an Bedeutung. Grundlage dafür ist ein partizipativer Ansatz bei dem die Ressourcen und Wünsche der Betroffenen für ein selbstbestimmtes Recovery, im Mittelpunkt aller Interventionen stehen. Das Erfahrungswissen von Peermitarbeitenden als Genesungsbegleiter leistet einen wichtigen Beitrag bei der Gestaltung und Umsetzung dieser partizipativen Haltung in der Psychiatrie.

Im ersten Teil wird in einem Referat die praktische Umsetzung eines recoveryorientierten Partizipationsmodells und Elemente für eine erfolgreiche Peerarbeit vorgestellt. Im zweiten Teil diskutieren die Workshop Teilnehmer, unter anderem mit einem aktiven Peermitarbeiter, die Auswirkungen, den Nutzen aber auch die Risiken dieser Haltungsänderung für die psychiatrische Praxis.

Stefan Zahs & Vincenzo Mannino zum Nachlesen

Workshop 11

Mag.(FH) Stefan Pawlata

Der spielende Mensch als Beitrag zum guten Leben

Friedrich Schiller sagt, „der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Das Spielen kann zu einem guten Leben beitragen. Gleich welche Lebensgeschichte, welches Alter, welche Herkunft – es tut gut, eigene Phantasien aus sich heraus zu lassen. Beispielsweise mit dem Theaterspiel.

Im Workshop findet ein heiteres gemeinsames drauflos spielen statt. Ungewohnte Rollen einnehmen, aus verschiedenen Perspektiven das gute Leben beleuchten, Figuren begegnen sich, Emotionen ausdrücken, sich im Spielen was Gutes tun.

Auf die Aktion folgt die Reflexion: Was ist das gute Leben für mich mitten in Europa? Welche Ansprüche an das gute Leben stelle ich an andere? Was ist das gute Leben aus meiner individuellen Sicht? Welche Süchte hat mein gutes Leben?

„Ja“ sagen zum Leben. „Ja“ zu Herausforderungen. Höhen und Tiefen annehmen, gefordert sein und miteinander lernen, Veränderungen anlächeln, vertrauen, spielen. Das Leben ist gut.

Workshops Nachmittag

Workshop 3

DSAin Karoline Leitner

Achtsamkeit – Ein Weg zu einem guten Leben?

Die, aus dem Buddhismus stammende Haltung von Achtsamkeit und Mitgefühl als Meta-Theorie und Praxis gewinnt in der westlichen Medizin, Psychologie und Pädagogik zunehmend an Bedeutung.

Dieser Workshop gibt Ihnen einen Einblick in diesen sanften und nachhaltigen Weg, mehr innerer Ruhe und Gelassenheit zu erlangen.

Die Praxis der Achtsamkeit ermöglicht uns, aus dem Modus „Autopilot“ auszusteigen und richtet unsere Aufmerksamkeit auf dass, was wir gerade tun, denken, fühlen und empfinden.

Achtsamkeit unterstützt uns dabei, wahrzunehmen, was tatsächlich ist.

Die nichtwertende, liebvolle Zuwendung zum jetzigen Augenblick und der momentanen Erfahrung ist das Herzstück der Achtsamkeitspraxis.

Dieser Workshop wird sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen.

Wie kann Achtsamkeit zu einem guten Leben Etwas beitragen? 

Wie können  Achtsamkeitsübungen, Suchtkranke und HelferInnen  unterstützen und stärken?

Ziel dieses Workshops ist, das Prinzip von Achtsamkeit als Haltung und Methode kennenzulernen und die wichtigsten Achtsamkeitsübungen auszuprobieren.

Workshop 5

Steve Müller

„Recreational Drug Use”– Ein gutes Leben mit Drogen… Wie KonsumentInnen die Balance halten können und was Suchtprävention dafür tun kann,  am Beispiel des „Partydrogen-“ und  „Freizeitdrogenkonsums“.

„Sucht“ – „Abhängigkeit“ – „Missbrauch“ – „problematischer Konsum“ – diese Konsummuster und die mit ihnen einhergehenden Lebenssituationen prägen meist den Arbeitsalltag in der Sucht-/Drogenhilfe. Auch die Prävention ist letztendlich eine Reaktion auf solche Problemlagen, geht also von diesen aus. Traurige und dramatische Schicksale werfen verständlicherweise einen dunklen, langen Schatten, der - ob wir es wollen oder nicht - unsere Sicht mitprägt.

Gelegenheiten aus diesem Schatten zu treten sind selten. Dieser Workshop ist eine solche Gelegenheit. Wir bemühen uns um einen klaren Blick auf die gesunden Aspekte von Konsum & Rausch, um von diesen zu lernen. Gemeinsam erkunden wir die verschiedenen Facetten des sogenannten „Recreational Drug Use“, machen sie in Übungen erlebbar und besprechbar. Im Fokus steht die Frage, wie suchtpräventive Angebote Menschen unterstützen können die Balance zwischen subjektiver Lebensqualität und Gesundheit zu finden und zu halten.

Workshop 8

Dr. Michael Hiden

Substitutionsbehandlung – ein Weg zur Stabilisierung und zu mehr Lebensqualität

Opioidabhänigigkeit kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen und psychosozialen Problemen führen.

Dieser Workshop soll es den Teilnehmern ermöglichen, einen Einblick in die Arbeit mit Substitutions-PatientInnen zu gewinnen. Es sollte geklärt werden, welche Überlegungen anzustellen sind, bevor man sich für eine abstinenz- oder arzneimittelgestüzte Behandlung entscheidet. In welcher Weise eventuell psychosoziale oder gesundheitliche Probleme einen Einfluss in die Entscheidungsfindung haben. Wie es möglich ist in der interdisziplinären Zusammenarbeit eine umfassende Abklärung mannigfaltiger Problemlagen durchzuführen und individualisierte Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Mit Blick auf die konkrete Arbeitsweise in der I.K.A. und anhand von Fallbeispielen wird gezeigt, wie es durch multiprofessionelle Unterstützung gelingen kann, trotz schwerwiegender Suchterkrankung Lebensqualität wieder zu erlangen.

Workshop 9

Univ. Doz. Dr. Martin Poltrum

Cinematherapie in der stationären Suchtbehandlung

Unter dem Code „Cinematherapie“ gibt es seit geraumer Zeit Bemühungen, die Wirkung von Filmen in unterschiedlichen therapeutischen Settings zu erproben. Schaut man sich die Geschichte der Filmtherapie genauer an, zeigt sich, dass es schon in der Stummfilmzeit einen medizinischen Diskurs über die Wirkung von Filmen im therapeutischen Kontext gab. Im geplanten Seminar werden Grundsatzüberlegungen zur Cinematherapie angestellt, die Diskurse dazu vorgestellt, und von eigenen kinotherapeutischen Modellen, Erfahrungen und Überlegungen berichtet. Im Anton Proksch Institut gibt es seit 2009 ein eigens für Abhängigkeitserkrankte entwickeltes Kinotherapieprogramm. Anhand von Filmbeispielen und gezeigten Filmausschnitten soll gezeigt werden wie cinematherapeutische Interventionen aussehen können.

M. Poltrum (2015) Liebe im Therapeutenfilm – Liebesfilme in der Therapie, In: M. Poltrum, U. Heuner (Hg.), Ästhetik als Therapie. Therapie als ästhetische Erfahrung, Berlin, 86-109.

M. Poltrum (2012) Reiz und Rührung. Cinematherapie in der stationären Suchtbehandlung, In: M. Poltrum et al. (Hg.), Rausch. Wiener Zeitschrift für Suchttherapie, Heft 3 2012, 128-147

Workshop 12

Mag.a Bettina Bergmair

Alexandertechnik
(Wieder-)gewinn von Wahlfreiheit, Genussfähigkeit und Lebensenergie

Bei der Alexandertechnik handelt es sich um achtsame Körperarbeit, die das Zusammenspiel von denken, bewegen und fühlen bewusst und konstruktiv nutzbar macht. Bewegungsmuster, die meist unbewusst über das autonome Nervensystem, bzw. als neuronale Schaltkreise in unserem Gehirn ablaufen, werden durch einen sensomotorischen Zugang erfahrbar gemacht und können so auch wieder willentlich verändert werden. Die von vielen Menschen häufig gelebte und in der Suchtarbeit übliche „Zielfixierung“ führt zu Über- und Unterspannungen, die auf Dauer psychische und physische  Probleme und Schmerzen nach sich ziehen. Mit der Alexandertechnik lernt man wieder zu Genussfähigkeit und Wohlspannung zu kommen, was zu mehr Lebensqualität führt.

ProfessionistInnen der Sucharbeit lernen in diesem Workshop eine körperliche Selbsterfahrungsmethode kennen. Die daraus geschöpften, persönlichen Erkenntnisse haben das Potential zu positiven Veränderungen im Arbeitsalltag zu führen. Ebenso stellt die Alexandertechnik für Betroffene eine Möglichkeit zur Wiedererlangung von Wahlfreiheit, Genussfähigkeit und Lebensenergie dar.

TeilnehmerInnen dieses Workshops sollten Freude an Bewegung, sowie bequeme Kleidung mitbringen.

Bettina Bergmaier zum Nachlesen: