Gedanken zu Ernte, Dank und Teilen

Maria König über Ernte, Dank und Teilen

ERNTE

Ich persönlich hatte viel Glück. Ich hatte Eltern, die meine Geschwister und mich in Liebe und mit einem großen Glauben großgezogen haben. Im Leben auf dem Hof ist mir ganz selbstverständlich bewusst geworden: Ich muss mit aller Kraft das Meine tun, jeder wird gebraucht, damit alles einen guten Weg nimmt. Und ich konnte diesen Weg weitergehen, habe mit meinem Mann diesen Hof übernommen, unsere fünf Kinder sind hier groß geworden, und sie geben mir heute als Erwachsene das Gefühl, dass sie selbst wieder diese Haltung weitergeben. Auch in diesem Sinne darf ich eine Ernte erleben. Mittlerweile kommen schon die Enkel auf den Hof. Hier erleben sie es von klein auf ganz unmittelbar: Ich muss dem Vieh etwas geben, wenn ich gutes Fleisch haben will. Ich muss gießen und mich um die Pflanzen kümmern, wenn ich guten Salat bekommen möchte. Ich muss mich einsetzen, dann erhalte ich eine Ernte.

 

DANK

Wenn mir schon die Möglichkeit gegeben ist, dass ich 364 Tag im Jahr ernten darf, ist es sicher wert, dass ich einen Tag lang danke sage. Der Erntedank ist ein schöner, wichtiger Brauch. Denn das Paradies ist ja da. Ich kann die Rose riechen, in den Apfel beißen, ich kann sehen, wie ein Kalb zur Welt kommt. Wenn ich das warme, duftende Brot in Händen halte, erfüllt mich das mit Achtung und Dankbarkeit. Aber ich weiß auch: ich darf nicht alles ausgeben. Ich muss zum Beispiel einen Teil des Getreides für die Saat zurückhalten. Wichtig ist das Bewusstsein, dass nichts selbstverständlich ist. Man kann das auch den Kindern vorleben. Am gedeckten Tisch danke zu sagen, vielleicht eine Kerze anzuzünden – das sind wichtige Momente, die wir jeden Tag leben können.

 

TEILEN

Es wäre mein großer Wunsch: Jeder auf dieser Welt sollte Brot und Trinkwasser haben auf dieser Welt, ohne Betteln zu müssen. Wie unglücklich ist man, wenn der Bauch leer ist! Wir schaffen so viel, wir fliegen zum Mond, es gibt so viele gescheite Menschen – aber dass wir das nicht hinbekommen, betrübt mich sehr. Auch der Umgang mit Lebensmitteln, oft ohne Achtung und Respekt - mir tut es weh, wenn Sachen entsorgt werden, die man noch essen könnte. Leider ist es oft so, dass Menschen, die weniger haben, mehr geben als Menschen, die viel haben. Dabei finde auch das selbstverständlich: Wenn ich ernten darf, muss ich an die denken, die nicht ernten können. Im Kleinen kann ich viel helfen.

 

Mein Beitrag zu Erntedank