Portrait Mädchen mit Migrationshintergrund

Frauenspezifische Beratungsstelle für Migrantinnen - DIVAN

Frauenspezifische Beratung für Migrantinnen mit spezialisiertem Angebot für Betroffene von "Gewalt im Namen der Ehre".

Im Projekt "DIVAN" geht es im Wesentlichen um eine muttersprachliche, psychosoziale und juristische Beratung und Betreuung von Migrantinnen. Im Mittelpunkt stehen geschlechtsspezifische Integrationsprobleme, die sehr vielfältig und komplex sein können, da Migrantinnen (im Vergleich zu männlichen Migranten) verstärkt problematischen Lebenslagen ausgesetzt sind.

 

So läuft die Beratung ab

Die Beratung erfolgt in der Beratungsstelle (zum Teil auch aufsuchend), aber auch im Rahmen von "Sprechstunden" in kooperierenden Beratungseinrichtungen, im öffentlichen Bereich oder in Institutionen. Neben der psychosozialen Beratung erfolgt nach einer "Clearing-Phase" im Bedarfsfall die Weitervermittlung zu Fachstellen und Behörden.

 

Schwerpunkte

Eine Schwerpunktsetzung erfolgt im Rahmen des Projektes für Betroffene von "Gewalt im Namen der Ehre": konkret können sich Mädchen und junge Frauen, denen eine Zwangsehe droht bzw. Frauen, die aus einer Zwangsehe flüchten wollen an das muttersprachliche Beratungsteam in einer akuten Krise wenden um Interventionen zu erhalten, auch eine längerfristige Begleitung und Betreuung (im Notfall auch Unterkunft im Rahmen der Caritas Möglichkeiten) wird angeboten sowie Präventionsangebote.

 

Aufklärung, Bildung, Ermutigung

Neben der Hilfestellung nach Akutsituationen physischer und psychischer Gewaltanwendungen soll die spezifische Beratung und Betreuung die Frauen sowohl innerfamiliär als auch gesellschaftlich stärken. Ein gezieltes Empowerment von Migrantinnen ist notwendig. Dieses umfasst in erster Linie Aufklärung, verstärkte Bildung für zugewanderte Mädchen und Frauen, aber auch die Ermutigung zum Ausstieg aus mitgebrachten Traditionen, die Emanzipation und Gleichberechtigung von Frauen verhindern.

 

Bei welchen Problemen können wir kompetent helfen?

Frauenspezifische Integrationsprobleme

Aufenthaltsrechtliche Fragen, Vermittlung zu Integrationsmaßnahmen und Information über Ausbildungsmöglichkeiten, Familienrechtliche Fragen (Obsorge, Trennung, Scheidung etc.)

Bei familiären Problemen im Zusammenhang mit der PartnerInnenwahl

v.a. bei arrangierten aber nicht gewollten Heiratsplänen, Zwangssituationen, angedrohte oder bereits erfolgte Gewalthandlungen von Familienmitgliedern

Beim Ausstieg aus einer Zwangsehe,

auch wenn die Eheschließung freiwillig erfolgte, aber eine geplante Trennung/Scheidung zu Zwangssituationen innerhalb der (Schwieger)familie führt.

 

Welches Ziel haben wir?

Unser Ziel ist es, (junge) Frauen zu begleiten und zu bestärken, ein selbstbestimmtes Leben - ohne Gewalt und Zwang - zu führen.

Wir wissen, dass selbstbestimmte Entscheidungen manchmal von Familienmitgliedern als "Verletzung der Ehre" empfunden werden und eine Distanz zur Frau/zum Mädchen bewirken. Im äußersten Fall kann das mit angedrohter Gewalt oder erhöhtem psychischem Druck verbunden sein: verschärfte Kontrolle (z. B. Handy) und Verbote, Isolation vom sozialen Umfeld, Verschleppung z. B. ins Herkunftsland bis hin zu Morddrohungen. Dabei stehen die Betroffenen in einem großen Loyalitätskonflikt: einerseits möchte die Familie das Beste für sie - andererseits spürt die Betroffene, dass ihr persönlicher Wunsch nicht akzeptiert wird. Daneben gibt es auch Abhängigkeiten in den Bereichen Finanzen, Wohnversorgung, Aufenthaltsrecht, Sorge um die Geschwister etc.

 

Wie helfen wir?

Vertraulich - auch anonym - in folgenden Sprachen: Deutsch, Türkisch, Arabisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Englisch, Dari und Farsi - juristische und psychosoziale Beratung - in der ganzen Steiermark

Die Beraterin versucht nach der Kontaktaufnahme (die von der Betroffenen selbst oder von einer Vertrauensperson wie Freundin, Lehrerin etc. erfolgt)  binnen 24 Stunden ein erstes persönliches Treffen zu ermöglichen, z. B. an einem neutralen Ort. Auch ausschließliche Telefonberatung oder Beratung per e-mail sind möglich. Ab diesem Zeitpunkt wird die Beraterin - wenn die Betroffene es möchte, regelmäßig Kontakt halten. Die konkrete Gefährdung wird eingeschätzt und Möglichkeiten der Veränderung der Situation werden gemeinsam besprochen. Keine Handlung erfolgt ohne Einverständnis der Betroffenen. Im Notfall kann eine andere Wohnversorgung organisiert werden bzw. Hilfestellung beim  Aufbau einer neuen Zukunft.