Kälte und Obdachlosigkeit

Wir alle spüren die eisige Kälte

In den letzten Tagen fragen mich oft Freunde und Angehörige, ob die jetzigen „Tiefsttemperaturen“ unsere Arbeit in der Notschlafstelle beeinflussen: Auf mich bezogen, kann ich das mit einem klaren „Ja“ beantworten, denn man kann sich noch besser mit den Wohnungslosen mitfühlen:

Ich beobachte zum Beispiel die Leute beim alltäglichen, fünf-minütigen Warten auf die Bim sehr gerne. Da bekommt man nämlich mit, wie sie sich regelrecht „den Hintern abfrieren“. Nun muss man sich die Frage stellen, wie das wäre, bei diesen Temperaturen draußen schlafen zu müssen.

Dass Menschen auf der Straße schlafen müssen ist schon unmenschlich genug, aber bei dieser Kälte wird es einfach untragbar und wird zur Lebensgefahr.

Schutz und Wärme

Daher muss man noch sensibler agieren und Schutz und Wärme für unsere Gäste bieten, sowohl in materieller Hinsicht, als auch in menschlicher Hinsicht.

Hier  merkt man deutlich, wie wichtig die zusätzliche Winternotschlafstelle in dieser Jahreszeit für die Stadt Graz und ihre Bewohner ist! Einfach wegschauen will ich nicht und kann ich nicht.

Viele warten schon vor der Türe

Auch ohne Thermometer kann ich an der Anzahl an wartenden Gästen vor unserer Türe die Außentemperaturen erahnen. Während bei Plustemperaturen einige Personen erst später ankommen, warten bei dieser eisigen Kälte viele schon vor 15h vor unserer Türe.

Ich kann das gut nachvollziehen, denn niemand ist dieser Kälte gerne länger ausgesetzt. Umso dankbarer sind unsere Gäste dann auch, wenn die Tore der Winternotschlafstelle sich öffnen und ein warmer Tee sie wärmt.