So war Weihnachten in der Winternotschlafstelle

Caritas-Mitarbeiter Heimo verbrachte den Heiligen Abend in der Winternotschlafstelle.

Foto: Caritas

Bereits den dritten Winter arbeitet Heimo in der Winternotschlafstelle der Caritas in Graz. Immer wieder gibt er hier Einblicke in seine Arbeit und seine Gedanken. Heute schildert er seine Gedanken zu seinem Dienst am Abend des 24. Dezembers.

 

 

 

Weihnachtliche Jause in der Winternotschlafstelle

Ruhig und besinnlich

 

"Alles in allem war es zum Glück ein ruhiger und teilweise besinnlicher Dienst. Als ich um 15 Uhr die Winternotschlafstelle aufsperrte, warteten schon 5 bis 10 Leute vor der Tür. Jeder der Nächtigungsgäste bekam einen Gutschein (mehr dazu unter diesem Link) und ein paar für Weihnachten typische Süßigkeiten. Ich wünschte auch jedem persönlich ein frohes Fest, die Reaktionen reichten von „sehr erfreut“, bis „naja, Weihnachten ist ja auch nur ein Tag wie jeder andere“.

Ich wurde sogar selbst beschenkt, was mich sehr gefreut hat, da die Nächtigungsgäste so mit einer kleinen Geste ihre Wertschätzung für unsere Arbeit gezeigt haben. Diese Geschenke nimmt man dann natürlich auch an, da unsere Unterstützung ein gegenseitiger Prozess ist und manche Leute sich damit ein Stück wohler fühlen. Im Fernsehen liefen Weihnachtlieder, manche Nächtigungsgäste haben gespannt zugehört. Ich persönlich habe aber lieber das Gespräch zu den Gästen gesucht, aus dem oft beide Seiten etwas mitnehmen können.

Kleine Geschenke unter dem Christbaum in der Winternotschlafstelle

Weihnachtsfeeling - für jeden, der möchte

Der Christbaum und das fast schon festliche Essen sorgten für etwas Weihnachts-Feeling. Das manche Nächtigungsgäste wenig davon halten, kann ich verstehen, andere nehmen die Ruhe und Stille jedoch mit. Ganz so ruhig war es dann doch nicht: Unter den Frauen gab es an diesem Dienst immer wieder kleinere Streitereien, die ich natürlich zu klären und zu schlichten versuchte. Zusammengefasst würde ich jedenfalls sagen, dass manche Nächtigungsgäste dem Fest positiv gesinnt waren und daraus auch teilweise neue Energien mitnehmen konnten. Anderen war es dagegen vollkommen egal, was ich aufgrund der prekären Lebenslagen natürlich auch sehr gut nachvollziehen kann.

Ich bin auch nicht der Typ, der jemandem Weihnachtsstimmung aufzwingen will – ich habe interessiert „mitgefeiert“ und ansonsten eigentlich wie immer agiert. Wenn manche Personen - trotz der gegebenen Situation - eine innere Ruhe von diesem Fest mitnehmen können, dann bin auch ich sehr zufrieden. Wie man zu dieser Ruhe kommt, sei jedem selbst überlassen.

Für mich geht es jetzt nach Hause ins Ennstal, um selbst Weihnachten mit der Familie zu feiern. Bin gespannt ob ich in meiner ungewohnten Freizeit die „innere Ruhe“ finde. "