Nach einem Nachtdienst in der Winternotschlafstelle

Wenn ich die Notschlafstelle zusperre und nach einem Nachtdienst in mich gehe, werde ich manchmal sehr nachdenklich.

Heute geistert mir die Funktion und Bedeutung des „Wohnens“ für Menschen im Kopf herum:

 

Wohnen ist meiner Meinung nach mehr als nur ein Dach über dem Kopf zu haben.

Es bietet Schutz, Geborgenheit, Sicherheit, Erholung, Intimität und Selbstverwirklichung. Zudem beinhaltet es die selbstbestimmte Steuerung sozialer Kontakte, Rückzugsmöglichkeiten, Regeneration, Familie oder auch die Möglichkeit den Emotionen freien Lauf lassen  zu können.

Unsere Nächtigungsgäste in der Winternotschlafstelle müssen auf viele dieser Aspekte verzichten, aber sie sind trotzdem glücklich, denn für sie bedeutet ein warmer Schlafplatz im Winter nicht frieren zu müssen und Wärme bedeutet auch irgendwie Geborgenheit.

 

Gerade deswegen ist unsere Arbeit auch eine so wichtige:

Wir bieten ein warmes Dach im Winter und können den Weg in Richtung eines selbstbestimmteren und autonomeren Lebens mit unseren Klienten gehen. Es ist ein steiniger Weg, doch mit realistischen Zielen vor Augen, fällt das Bestreiten dieses Weges etwas leichter.