Ein Kind auf einem Feld im Südsudan

Coronavirus im Südsudan: Doppeltes Unglück für die Menschen in Wulu

07.07.20 / 09:05

Caritas-Projektpartner Father Peter Kiarie berichtet über die Bewältigung von Covid-19 und Hunger in der Diözese Rumbek im SüdSudan, einem der ärmsten Länder der Welt. Ihre Spende hilft, die Krise zu bewältigen!

Bereits ohne das Coronavirus ist die Lage im Südsudan dramatisch: Viele der rund 13 Millionen Einwohner des afrikanischen Staates sind aufgrund von Dürren und bewaffneten Konflikten in den letzten Jahren von akutem Hunger und Armut betroffen. Die Caritas Steiermark unterstützt deshalb mehrere Projekte, um die Not der Menschen vor Ort zu lindern.  

Ein verlässlicher Partner vor Ort ist dabei Father Peter Kiarie, Missionar der Spiritaner (CSSP) aus Kenia und seit 2013 in der Diözese Rumbek im Einsatz, wo ihm vor allem die landwirtschaftliche Ausbildung der Frauen ein Anliegen ist. Fr. Peter organisiert in Wulu das Landwirtschaftstraining für die lokale Bevölkerung, die sich aus den Volksgruppen der Dinka und der Jur-Bel zusammensetzt. Diese sind traditionell Viehzüchter (Dinka) bzw. Jäger und Sammler (Jur-Bel), die aufgrund der Bürgerkriegssituation der letzten Jahrzehnte ihrer Lebensgrundlagen beraubt wurden und ihre traditionelle Lebensweise mehr und mehr aufgeben mussten.

Covid-19 in Rumbek – ein Bericht aus dem Südsudan

Lesen Sie hier einen Brief Father Peters an die österreichischen SpenderInnen, in dem er die aktuell durch das Coronavirus verschärfte Situation für die Menschen in Rumbek schildert und um Hilfe bittet.

Trotz der Tatsache, dass Covid-19 auch in der Diözese Rumbek verbreitet ist und sich in dieser Region negativ auswirkt, wird das von den Menschen hier ignoriert. Die von der Regierung verordneten Maßnahmen haben sich vor allem in den ländlichen Gebieten wie Wulu nicht durchgesetzt. Die Menschen verhalten sich so wie immer und Covid-19 wird weiter verbreitet. Die Aufklärungs- und Bewusstseinsbildungskampagnen wurden zuletzt vor einem Monat durchgeführt, die Menschen glauben, dass Covid-19 in der Region oder sogar im ganzen Land nicht mehr existiert und beendet ist. Es liegen keine Zahlen vor, kein Krankenhaus ist für die Versorgung eingerichtet.

Im Namen unserer Gemeinschaft appelliere ich an Sie, liebe Spenderinnen und Spender, uns beizustehen und unserer Gemeinschaft im Kampf gegen diese Pandemie zu helfen.

Wir benötigen in Wulu folgende Gegenstände zur Bekämpfung der Covid-Pandemie:

1.       Infrarot Thermometer (5) zur Temperaturmessung

2.       Handwaschstellen (6 Wasserbehälter mit Absperrhahn)

3.       Hand-Desinfektionsmittel (Flüssigseife, gewöhnliche Seifen)

4.       Gesichtsmasken

Im Namen der Wulu-Gemeinschaft danke ich Ihnen für alles was Sie schon jetzt finanzieren, das uns so weit gebracht hat. Möge Gott ihre Spender segnen, die hier für unsere Gemeinschaft unermüdlich im Einsatz sind. Seien Sie versichert, dass jeder Cent in Übereinstimmung mit den Plänen und wie in den Budgets vorgesehen, verwendet wurde.

Der Hunger nimmt zu

In der Gemeinde Wulu leben über 40.000 Menschen (unimis, 2008). Die Mehrheit sind junge Menschen von 14 bis 25 Jahren, von denen nur die Hälfte die Grundschule besucht hat.

Hier in Wulu hat sich der Lebensstil von einer Kultur der Jäger und Sammler zu einem städtischen Leben gewandelt und die meisten Menschen sind heute auf den Kauf von Lebensmitteln auf Märkten angewiesen. Einige Gemeindemitglieder sind jetzt in der Kleinlandwirtschaft tätig und bauen Sorghum, Straucherbsen, Augenbohnen, Erdnüsse und Anderes an. Ich unterhalte seit 2013 ein landwirtschaftliches Schulungsprogramm für Frauen, das sich vor allem während der Trockenzeit positiv auswirkt, wenn die Frauen Gemüse für den Hausgebrauch und den Verkauf anbauen, um so etwas Geld für notwendige Ausgaben zu erwirtschaften. Die Anzahl der Teilnehmerinnen stieg seither von 14 auf über 140 Frauen pro Jahr. Sie arbeiten derzeit hart in ihren eigenen kleinen Familienbetrieben um eine hohe Ernährungssicherheit zu erreichen, jedoch bringt der Klimawandel jedes Jahr neue Herausforderungen in Form des Wetters mit sich. Die Ernten waren im vergangenen Jahr nicht ermutigend, weshalb die Ernte nicht bis zur nächsten ausreicht und die Menschen hungern müssen. Gerade jetzt ist die Situation besonders schwierig, vor allem für die gefährdeten älteren Menschen und Kinder. Seit drei Monaten kommen täglich vermehrt bedürftige Menschen zu uns, um etwas zu essen zu erbetteln.

Wir schätzen die Bemühungen des Caritas-Büros der Diözese Rumbek, das sich bemüht hat, dreißig ältere Mitglieder der Gemeinde Wulu in kritischer Lage mit Lebensmitteln zu retten. Diese Zahl ist aber leider nur gering im Vergleich zu den über vierhundert Menschen, die hier auf Hilfe angewiesen werden. Im Namen unserer Gemeinschaft appelliere ich an Sie, liebe Spenderinnen und Spender, uns zu unterstützen und unserer Gemeinschaft bei der Bekämpfung des Hungers zu helfen, der zum Verlust von Menschenleben führen könnte.

 

Herzliche Grüße an alle, Gott segne Sie.

FR. PETER KIARIE CSSP

KATHOLISCHE MISSION WULU

DIÖZESE RUMBEK, SÜD-SUDAN

Ihre Spende hilft!