6. Studientage - Komplexe Suchtarbeit

Workshops

Workshop

Alwin Bachmann, Lic. phil.

Onlineberatung zu Suchtfragen

Die Angebote psychosozialer Onlineberatung differenzieren sich immer weiter aus und bieten den Ratsuchenden ein hohes Maß an Flexibilität, erfordern jedoch auch von erfahrenen Fachpersonen spezifische Kompetenzen und Know-how.

In der Suchthilfe erreichen Onlineangebote neue oder schwer zugängliche Zielgruppen. Die Anonymität macht es für die Nutzenden einfacher, Tabuthemen anzusprechen – viele nehmen zum ersten Mal online professionelle Suchthilfe in Anspruch. Der WS gibt anhand der Erfahrungen des Schweizerischen Onlineportals «SafeZone.ch» einen Einblick in die Praxis und die Möglichkeiten der anonymen Online-Suchtberatung. Dabei wird aufgezeigt, wer mit dem Angebot erreicht wird, welches die Problemlagen der Betroffenen sind und was über Wirkfaktoren der Onlineberatung bekannt ist. In einem interaktiven Teil erhalten die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, selber in die Rolle eines Onlineberaters/einer Onlineberaterin zu schlüpfen. Dabei werden methodische Grundlagen der schriftbasierten Beratung vermittelt und die Vorteile sowie Grenzen der Onlineberatung aufgezeigt.

Workshop

MMag. Manuel Hochenegger

Partydrogen und NPS

Vermittlung von Konsumkompetenz bei Konsument*innen von Partydrogen und Neue Psychoaktive Substanzen (NPS)

Viele Drogenkonsument*innen verfügen über umfangreiche Konsumerfahrungen, weisen jedoch oft wenig Wissen über die „Spielregeln“ des Konsums auf und scheinen wenig reflektiert. Dementsprechend gilt es im Umgang mit Konsumierenden die Konsumkompetenz – verstanden als die Kombination von Substanzwissen und Schadensminimierung auf der einen und Reflexion üben den individuellen Konsum auf der anderen Seite - zu stärken.

Ein praxisrelevantes Wissen über Wirkungen und Risiken der Substanzen und deren schadensminimierenden Gebrauch ist somit in der Drogenhilfe unerlässlich und dient gleichzeitig dem Beziehungsaufbau mit der Klientel. Das Thematisieren von Konsumverhalten und Konsummotive deckt mögliche Ambivalenzen auf und trägt zu einem bewussteren, selbstbestimmten und gesundheitserhaltenden Umgang mit Substanzen bei.

Im Workshop werden mittels Vortrag und Diskussion beide Aspekte der Konsumkompetenz beleuchtet. Im Fokus stehen die Vermittlung fundierten Wissens zu den gängigen Partydrogen und Orientierungshilfen, um sich in der unüberschaubaren Zahl an NPS zurecht zu finden. In einem zweiten Schritt wird näher auf unterschiedliche Konsumverhalten und Konsummotive bei Drogennutzer*innen eingegangen.

Workshop

Dr.in Diana Plörer, Dr.in Johanna Leitner, Dr.in Elisabeth Wejbora

Unterschiede in der Substitutionsbehandlung Deutschland und Österreich – insbesondere i.v. Substitution mit Diaphin (Heroin). Die Inhalte aus dem Vortrag zu den Erfahrungen mit Diaphin in der Substitutionsbehandlung sollen vertieft und zudem ein praxisrelevanter Austausch ermöglicht werden. Der Workshop bietet Platz für Diskussionen rund um aktuelle Substitutionsmodelle und zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich.

Workshop

Dr.in med. Hella Schulte-Wefers

Integrated Duals disorder treatment (IDDT) – Integrierte Behandlung bei PatientInnen mit Doppeldiagnose

In den vergangenen Jahren hat das gleichzeitige Auftreten von Abhängigkeitserkrankungen und komorbiden psychischen Störungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das Doppeldiagnosezentrum in Den Haag/ Niederlande bietet für diese Zielgruppe ein Spezialprogramm mit integrativem Ansatz: Integrated Dual Disorder treatment (IDDT). IDDT liegt die Methode des Motivational Interviewing (MI) und das Phasenmodell einer Verhaltensänderung von Prochaska und DiClemente zugrunde. Hierbei wird die Behandlung abgestimmt auf die Motivationsphase, in der sich die PatientInnen aktuell befinden. IDDT wird durch ein multidisziplinäres Team angeboten und kombiniert pharmakologische, psychologische, pädagogische und soziale Interventionen zugeschnitten auf die Bedürfnisse der PatientInnen und ihrer Angehörigen.

In diesem Workshop wird das Modell ausführlich veranschaulicht. Eigene Erfahrungen der Referentin aus ihrer Tätigkeit im  Doppeldiagnosezentrum in Den Haag zu den besonderen Herausforderungen in der Therapie werden mit einbezogen. Die Anwendung und Umsetzung des Programmes wird anhand einer Kasuistik veranschaulicht. Zudem besteht die Möglichkeit, das Erlernte durch Übung an Fallbeispielen praktisch umzusetzen. Es steht den TeilnehmerInnen zudem frei, eigene Kasuistiken einzubringen.

Workshop

Dr.in med. Hella Schulte-Wefers

Alter und Sucht

Sucht und Suchtmittelmissbrauch im höheren Lebensalter waren lange Zeit ein Thema, das sowohl in der Öffentlichkeit als auch im professionellen Bereich zu wenig Beachtung fand. Inzwischen hat sich die Suchtforschung verstärkt der Thematik angenommen und stellt in verlässliche Daten und altersgerechte Diagnose- und Behandlungsansätze zur Verfügung. Maßnahmen zum  altersspezifischen Ausbau des Beratungs- und Behandlungsangebots sind umso notwendiger, da infolge des demografischen Wandels die Zahl älterer Männer und Frauen mit Suchtproblemen in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen wird.

Dieses Wachstum stellt Fachpersonen und Institutionen aus der Sucht- als auch der Altenhilfe vor große Herausforderungen. Ziel des Workshops ist einen Überblick zu gewinnen über Prävalenz von Alkohol- und Drogenkonsum im Alter. Thematisiert werden Risikofaktoren und Folgen des problematischen Gebrauchs älter gewordenen KonsumentInnen illegaler Drogen und/oder Alkohol als auch ihres konkreten Unterstützungsbedarfs. Hilfsangebote und Interventionen werden besprochen, um eine altersgerechte Früherkennung und Versorgung gewährleisten zu können.

Das größte Hindernis für Angehörige und Freunde von Betroffenen, aber auch für die MitarbeiterInnen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit, Psychologie, Medizin, Kranken- und Altenpflege oder Ernährungsberatung ist die Scheu, das Thema anzusprechen und Betroffene auf Beratungs- und Hilfeangebote aufmerksam zu machen. Andererseits wünschen sich viele Betroffene, dass man ihre Probleme erkennt und ihnen Hilfe anbietet. Daher soll mittels motivierender Gesprächsführung dargestellt und erarbeitet werden, wie das Thema Sucht im Alter konstruktiv zur Sprache gebracht werden kann.

Es steht den TeilnehmerInnen zudem frei, eigene Kasuistiken einzubringen.

Workshop

Bernd Werse, Dr. phil.

Drogentrends und Konsummotivationen unter jungen Menschen und das Konzept der Drogenmündigkeit

Die Gründe für den Konsum illegaler Substanzen können je nach Droge, Person und Umfeld stark variieren; zudem sind diese ebenso wie die generelle Verbreitung Trends unterworfen, für die es wiederum viele unterschiedliche Ursachen geben kann. Es werden einige Erkenntnisse zur Entwicklung solcher Tendenzen vorgestellt. Damit zusammenhängend wird als neueres akzeptanzorientiertes Präventionskonzept der Begriff Drogenmündigkeit präsentiert. Beide Themen hängen unmittelbar zusammen, da mittels Prävention auf Motivlagen und Konsummuster junger Menschen Einfluss genommen werden soll. Aufgrund der Vielschichtigkeit und Interpretativität der Thematik bietet es sich an, sowohl die grundsätzlichen Beweggründe für den Konsum psychoaktiver Substanzen als auch die Möglichkeiten der Einflussnahme darauf ausgiebig mit den Teilnehmenden zu diskutieren.

Workshop

Florian Winkler-Ohm

CHEMSEX – Medienhype oder gar nur ein MSM-Problem?

Crystal, GHB, Ketamin – ein ganz normales Chemsex-Wochenende? Wie sehr wird das Thema „Horrordroge Crystal Meth“ durch die Medien gepusht? Wie sieht die Realität innerhalb der MSM (Männer die Sex mit Männern haben)-Szene aus? In diesem Vortrag stellt Florian Winkler-Ohm die Substanzen vor, die im Mix eines Chemsex-Wochenendes enthalten sind und lenkt den Fokus auf eine kleine aber umso bedeutendere Userblase, die überproportional von Todesfällen betroffen ist. Welche Angebote fehlen? Wie können Konsumenten erreicht werden? Wie gehen Freunde, Familie und Gesellschaft mit diesem Phänomen um? Und: Wie überfordert sind lokale Hilfseinrichtungen in kleineren Städten wenn das Phänomen Chemsex von den bekannten Konsumstädten wie Berlin, London oder Amsterdam plötzlich ins ländliche Umfeld rutscht?

Workshop

Florian Winkler-Ohm

Gendersensible Suchtarbeit: die Chance Klient_innen besser zu erreichen.

Sucht ist Sucht – oder eben doch nicht? Wie sehr spielen genderspezifische Anforderungen in der Suchtarbeit eine Rolle? Werden die Probleme geschlechterspezifisch erfasst? Wird die individuelle Genderausprägung bzw. sexuelle Ausrichtung bei den Hilfesuchenden akzeptiert? Der Workshop soll das Verlassen vertrauter Pfade erreichen, automatisch auf die eigenen Überzeugungen und Emotionen führen. Am Ende steht die Erkenntnis: Arbeite ich genderkonform? Ein Workshop mit Florian Winkler-Ohm um die eigene Geschlechtsidentität zu reflektieren und gemeinsam zu überlegen, welche positiven Auswirkungen dies auf die Suchtarbeit ermöglicht.

Workshop

Mag. (FH) Martin Ladenhauf, Mag. (FH) Harald Ploder, Mag. Stefan Pree

Über die Implementierung eines Take Home Naloxon – Pilotprojekts und den Systemischen Beratungsansatz im niederschwelligen Drogenhilfekontext

Ermöglicht durch das Engagement und die Unterstützung der Firma Mundipharma sowie in enger Kooperation mit der Stadt Graz, dem Land Steiermark und Caritas Marienambulanz bzw. mit Unterstützung der Apotheke der Barmherzigen Brüder startete Caritas Kontaktladen und Streetwork im Drogenbereich im Herbst 2018 ein Take Home Naloxon– Pilotprojekt.

Der Opiatantagonist „Naloxon“ wirkt nach Verabreichung direkt an den Opioidrezeptoren im Gehirn, befreit diese und hebt somit die Wirkung der Opioide auf, wodurch eine lebensbedrohliche Atemdepression unterbrochen wird.

Die TeilnehmerInnen des Pilotprojekts (geplante 120 und somit ca. 10% der Substituierten in der Steiermark) nehmen an einer ärztlich geleiteten Erste Hilfe Schulung zum Thema Drogennotfall teil, wissen in der Folge um die richtige Anwendung und Wirkung von Naloxon und bekommen ein Naloxon Kit (Ausweis über die Teilnahme an der Schulung, Medikament, Beatmungstuch, Einweghandschuhe, Sicherheitsanhänger, Info-/Dokumentationsheft,) mit auf den Weg. Sie setzen dieses ein, wenn sie zu einem Drogennotfall dazu kommen.

Im Workshop, der sich an praxisinteressierte Studientagsteilnehmende richtet, wird der gesamte Prozess von der ersten Projektidee über die Überwindung allfälliger (bürokratischer) Hürden bis hin zur konkreten Umsetzung und den gewonnenen Erfahrungen des österreichweit ersten Pilotprojekts zur Naloxonvergabe beleuchtet werden.

Zusätzlich wird besondere Aufmerksamkeit auf den „Systemischen Beratungsansatz“ im Drogenhilfekontext gerichtet werden, spiegelt dieser doch die Grundhaltung hinsichtlich der KlientInnenbeteiligung am Take Home Naloxon Projekt wider.

Am Ende werden THN - Projekt und Zugänge ausführlich betrachtet und die Teilnehmenden mit allen Informationen für die Umsetzung eigener THN Projekte ausgestattet worden sein.