6. Studientage - Komplexe Suchtarbeit

Vorträge

Impulsreferat

Dr.in med. Hella Schulte-Wefers, Den Haag/Niederlande

Alter und Sucht

Der Anteil älterer Frauen und Männer mit einer Abhängigkeitserkrankung nimmt aufgrund des demographischen Wandels zu. Dieses Wachstum stellt Fachpersonen und Institutionen aus der Sucht- als auch der Altenhilfe vor große Herausforderungen.

Kritische Lebensereignisse (z. B. Trennung, Tod, Pensionierung) als auch Störungen des sozialen Umfeldes und der sozio-ökonomischen Faktoren (z. B. Altersarmut bei Berentung, Einsamkeit) können das Risiko für die Suchtentstehung erhöhen.

Ziel des Vortrages ist einen Überblick zu gewinnen über Prävalenz von Alkohol- und Drogenkonsum im Alter, Risikofaktoren und Folgen des problematischen Konsums. Hierbei liegt der Fokus vor allem auf den Kennzeichen der spezifischen Zielgruppe der älter gewordenen KonsumentInnen illegaler Drogen als auch ihres konkreten Unterstützungbedarfs.

Darüber hinaus werden passende Hilfsangeboten und Interventionen dargestellt, um eine altersgerechte Früherkennung und Versorgung gewährleisten zu können.

Impulsreferat

Dr.in Meropi Tzanetakis, Institut für Soziologie, Universität Essex

Darknet. Wie die Digitalisierung den Drogenerwerb verändert

Das Darknet hat den Bezug von psychoaktiven Substanzen revolutioniert. Drogen werden zunehmend auch über das Internet erworben. Obwohl einer breiteren Öffentlichkeit weniger bekannt, beziehen Wissende über einen Teil des Internets weitgehend anonym psychoaktive Substanzen. Identität und Standort der Nutzer_innen werden im Darknet mithilfe von Verschlüsselungssoftware verschleiert und erschweren Ermittlungstätigkeiten. Psychoaktive Substanzen werden nicht mehr bei persönlichen Treffen übergeben, vielmehr übernehmen reguläre Paketdienste unwissentlich die Zustellung. Auch die Zahlungsabwicklung erfolgt überwiegend anonym. Die entsprechenden Plattformen im Darknet sind von ihrem Erscheinungsbild an eBay oder Amazon Marketplace angelehnt. Produktbewertungen dienen den Kund_innen als Orientierungshilfe und ersetzen persönliche Kontakte. Damit wird der Erwerb von psychoaktiven Substanzen über das Darknet zu einem ähnlichen Kauferlebnis wie eine reguläre Internetbestellung: bequem am Wohnzimmersessel und per Mausklick kann die Bestellung aufgegeben werden. Im Vortrag wird sowohl auf Risiken eingegangen, die sich aus der erleichterten Zugänglichkeit und hohen Verfügbarkeit ergeben, als auch Potentiale für einen Ansatz der Schadensminimierung diskutiert.

Impulsreferat

Bernd Werse, Dr. phil.

Entkriminalisierung und legale Regulierung weltweit – ein Überblick über internationale Re-formbemühungen für illegalisierte Substanzen, insbesondere Cannabis

Nachdem relevante internationale Expertinnen und Experten schon seit längerem dafür plädieren, von einem strikt repressiven Umgang mit den Konsumierenden illegaler Drogen abzurücken, steigt seit geraumer Zeit die Anzahl der Länder, in der liberale Bestimmungen auch umgesetzt werden. Diese reichen vom Ausbau akzeptanzorientierter Hilfemaßnahmen über den erleichterten Zugang zu Cannabis als Medizin bis hin zur Entkriminalisierung von geringen Mengen aller Drogen und der Schaffung eines legalen Marktes für Cannabisprodukte. Der Vortrag liefert einen Überblick über diese Reformbemühungen; zudem wird – sofern bereits verfügbar – über die Auswirkungen dieser Maßnahmen berichtet.

Impulsreferat

Dr.in Diana Plörer

Diamorphin – Erfahrungen in der Substitutionsbehandlung und besondere Aspekte hinsichtlich Komorbidität

Die diamorphingestützte Therapie stellt für eine ausgewählte Gruppe opioidabhängiger Patientinnen und Patienten eine mittlerweile etablierte zusätzliche Behandlungsoption dar: Unter definierten Voraussetzungen ist die diamorphingestützte Substitutionsbehandlung seit 2009 in speziellen Einrichtungen zugelassen und GKV erstattungsfähig. Die Betäubungsmittel- verschreibungsverordnung (BtMVV) sieht vor, dass eine Diamorphinbehandlung in hierzu von den zuständigen Landesbehörden ermächtigten Einrichtungen durchgeführt werden kann, um schwersterkrankte Personen mit seit langem bestehender Opioidabhängigkeit zu behandeln, die sowohl schwerwiegende somatische als auch psychische Störungen aufweisen. Zwar sind Abhängigkeitserkrankungen generell mit einer hohen Komorbiditätsrate anderer psychischer und somatischer Störungen verbunden; im Fall der Diamorphintherapie handelt es sich nun um eine gesetzliche Eingangsvoraussetzung. Dadurch werden einerseits der bisherige Verlauf und der Schweregrad der Opioidabhängigkeit indirekt festgelegt, andererseits  können aber insbesondere Personen mit komorbiden Störungen von einem diamorphinspezifischen Setting mit engmaschiger Betreuung profitieren.

Impulsreferat

Florian Winkler-Ohm

Die beste Freundin: Tante Tina

Florian Winkler-Ohm kümmert sich heute um drogengebrauchende Menschen und arbeitet als Referent im Bereich von Party- und Sexdrogen. Der frühere Tagesspiegel-Journalist und heutige Geschäftsführer des Berliner Clubs „SchwuZ“ weiß wovon er spricht: Über zwei Jahre war Winkler-Ohm abhängig von Crystal Meth – erst nasal, später intravenös. Über den leichten Weg ins vermeintliche Glück und den schweren Weg hinaus erzählt er in seinem Impulsvortrag ebenso wie über die Ursachen warum die schon im 3. Reich verwendete Droge derzeit einen solchen Hype in der MSM (Männer die Sex mit Männern haben)-Szene erlebt.