2. Studientage - Komplexe Suchtarbeit

Workshops

Führung

MA Ramon Nibaldo Vargas Arias, Mag.a Edith Zitz

Sucht und Rassismus: Ein Streifzug durch Graz, jenseits aller Verbünde

Sucht setzt ihre Zeichen indoors und outdoors. Dieser Streifzug führt uns durch den öffentlichen Raum von Graz. Wir setzen uns an konkreten Orten am rechten Murufer in den Bezirken Lend und Gries mit Süchten und ihren gesellschaftspolitischen Bezügen auseinander. Dieser Sozialraum ist historisch durch soziale Ausgrenzung und hohe Migration geprägt und bietet Anknüpfungspunkte für das sinnliche Erleben.

Diskussion

Ethik und Ästhetik des Suchthaften im gesellschaftlichen Kontext

An diesem Abend wollen wir uns auf eine geistige Expedition begeben, die sich der Faszination des Abgründigen und dem Sog der Gier ebenso stellen will wie der Banalität des funktionalisierten Alltages. Vielleicht führt uns diese Reise an einen Horizont hinter dem Potentiale aufleuchten, die die Sucht ebenso in sich birgt, wie andere Lebensdynamiken es auch tun.

An der Diskussion nehmen teil: Heidrun Behle, Peter Cohen, Hilarion Petzold,
Alfred Springer, Frau T. (eine betroffene Mutter), Irmgard Vogt. Moderation: Gerald Koller

Workshop 1

Univ.-Prof. DDDr. Hilarion Petzold, DSA Stefan Rummel

Der Suchthilfeverbund in der psychotherapeutischen Praxis

Der Workshop soll es den TeilnehmerInnen ermöglichen, Erfahrungen aus ihrem eigenen Arbeitsfeld betreffend ihrer SuchtklientInnen einzubringen. Speziell zum Thema Kooperation mit anderen KollegInnen und Organisationen und den(Aus-)Wirkungen dieser Kooperationen sollen relevante Fragestellungen diskutiert werden. Der Vortrag von Prof. Petzold am Vormittag wird zusätzlich zur Diskussion anregen und die Frage aufwerfen, wie sich die Etablierung eines Suchthilfeverbundsystems auf die psychotherapeutische Praxis auswirken würde.

 

 

Workshop 2

Peter Donald Albert Cohen, Ph.D und FH-Prof. Mag. Dr. Klaus Posch

Zur Abkehr vom Normalen: "Normopathie" auf dem Vormarsch?

Jede Gesellschaft ist mit den Problemen der Normenfindung, Normenbegründung und Normendurchsetzung konfrontiert. In der Auseinandersetzung mit der Frage nach der "besten Vorgangsweise" gegenüber Menschem mit Suchtproblemen sind wir alle in unterschiedlichen Rollen mit solchen Normenfragen konfrontiert.

In den gegenwärtigen Leistungsgesellschaften entwickelten sich Formen "pathologischer" Identifikation mit Leistungsnormen, die in unterschiedlicher Weise wirken und sich jedenfalls auf die Menschen und ihre Strategien, das Leben zu bewältigen, auswirken. In diesem Zusammenhang sprechen die Workshopleiter von "Normopathie" und wollen ahnhand von Beispielen aus dem Alltag die Zugänge zu Normenfragen untersuchen und unterschieldliche Lösungswege diskutieren.

Workshop 3

DSA Dipl. Theologe Wolfgang Scheiblich

Der Suchthilfeverbund als Ressource in der psychotherapeutischen Krisenintervention

Wer mit suchtkranken Menschen arbeitet, ist mit multimorbiden und krisenhaften Lebenslagen seiner Klientinnen und Klienten/Patientinnen und Patienten konfrontiert und sieht sich damit in der freien Praxis oft alleine auf weiter Flur.

Der Workshop will die Frage klären, mit welchen Strategien Verbundsysteme auf krisenhafte Lebenslagen reagieren können und folgende Themen anschneiden:

  • Krisenprävention durch intermittierende Karrierebegleitung
  • Krisenintervention durch keeping-contact-Modelle,
  • Notwendigkeit integrativer Interventionen
  • effiziente coping-Hilfen im Verbund
  • Creating und Coping als Leistungen des Verbundsystems
  • Affiliation Selbsthilfe

Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingebrachte Fallbeispiele sind herzlich willkommen.

Workshop 4

OA. Dr. Werner Heran, FH-Prof. Dr. Peter Pantucek

Diagnostik in der Suchthilfe (aus soziologischer und medizinischer Sicht)

Für die Lebensqualität und die Lebens-Chancen von chronisch kranken Menschen (insbesondere Suchtpatientinnen und Suchtpatienten) sind medizinische, psychische und soziale Faktoren entscheidend. Eine umsichtige Hilfestrategie wird daher diese Faktoren berücksichtigen und für einen passgenauen Hilfemix sorgen. Anhand von Fallbeispielen, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingebracht werden können, sollen die soziale und die medizinisch-psychiatrische Diagnostik greifbar gemacht werden.

Workshop 5

Dr.in Irmgard Vogt

Motivierendes Case Management als Methode in der Arbeit mit Drogenabhängigen

Motivierendes Case Management kombiniert die beiden Ansätze: Motivierende Gesprächsführung, und Case Management miteinander. Das Verfahren ist in der Bundesdeutschen Heroinstudie eingesetzt und auf seine Wirksamkeit hin überprüft worden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese Methode, vor allem in der Arbeit mit chronischen Suchtkranken, bewährt. Die TeilnehmerInnen des Workshops sollen mit den beiden zu Grunde liegenden Ansätzen vertraut gemacht werden und diese in Übungseinheiten erleben. Mit diesen Erfahrungen soll dann ein Blick auf die Vernetzung in der Region geworfen werden.

 

 

Workshop 6

Heidrun Behle, Jürgen Heimchen

Eltern und Großeltern in der Suchtarbeit

In Österreich können die Angehörigen von suchtkranken Menschen in spezialisierten Einrichtungen Beratung und therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Umgekehrt gibt es aber keine Tradition sich "hilfesuchend" an die Eltern und Großeltern zu wenden und diese partnerschaftlich in das Suchthilfesystem einzubinden. Frau Behle und Herr Heimchen sind betroffene Eltern und arbeiten für eine Elterninitiative in Wuppertal, die sich für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik einsetzt sowie für den Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit. Sie können aus erster Hand berichten, wie sich ihre Zusammenarbeit mit Suchthilfeeinrichtungen und der Politik in Deutschland darstellt und welche Einflüsse ihre Arbeit auf Eltern und ihre suchtkranken Kinder hat. Für die TeilnehmerInnen des Workshops könnte es zudem interessant sein, zu erfahren, was sich die Angehörigen vom Suchthilfesystem erwarten und wie eine adäquate Unterstützung aussehen könnte.

 

 

Workshop 7

Prim. Dr. Bernd Bauer, Prim. Dr. Werner Friedl, Prim. a.o.Univ.-Prof. Dr. Martin Kurz

Der Suchthilfeverbund in der ärztlichen Praxis

Viele unserer Patientinnen und Patienten docken in verschiedenen Phasen ihrer Erkankung und ihrer Entwicklung an verschiedenen Institutionen an. So ist es sinnvoll, ärztliches Handeln unter mehreren Gesichtspunkten verständlich zu machen, auch mit dem Ziel einer gemeinsamen Haltung, die durch das Wissen und das Verständnis für unterschiedliche Lebenesentwürfe definiert sein kann.

Prim. Dr. Bauer steht für die internistische Zugangsweise aus dem Blickwinkel einer niedrigschwelligen, hepatologischen Anlaufstelle, em Caritas Kontaktladen und Streetwork im Drogenbereich.

Prim. ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Kurz vertieft als Leiter der Abteilung für Abhängigkeitserkankungen an der Landesnervenklinik Sigmund Freud, wo sowohl Alkoholkranke als auch substituierte Menschen behandelt werden, das Thema der Entwicklung regionaler Suchthilfenetzwerke und ganzheitlicher Lösungen durch effiziente Kobmination von Spezialistinnen und Spezialisten.

Prim. Dr. Werner Friedl vertritt die Netzwerkorientierung vom Blickwinkel der abstinenzgestützen nd abstinenzorientierten Einrichtung WALKABOUT und lässt sich dabei auf das Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen (Patientinnen und Patienten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Öffentlichkeit) ein.