1. Studientage - Komplexe Suchtarbeit

Workshops

Workshop 1

Prof. DDDr. Hilarion Petzold

Entwicklungspsychobiologische Genese von Suchterkrankungen, Behandlung als Karrierebegleitung, Konvoiarbeit und Willenstherapie in komplexen Therapiemodellen

Der Workshop will Modelle der Genese von Suchterkrankungen diskutieren und anhand der "Entwicklungspsychobiologie der Lebensspanne" aufzeigen, dass eine systematische Karrierebegleitung für die Drogen- bzw. Suchtherapie eine zentrale Aufgabe ist. In der Karrierebegleitung ist die Erhaltung der Konvois (Netzwerke in der Zeit), die Willensarbeit und die provokative mentale Zukunftsorientierung unverzichtbar. Solche Interventionslinien, das zeigt die neurobiologische Konzeptbildung, machen engmaschige Begleitungen(z.B. Caseworkprozesse) erforderlich. Bisherige Therapiemodelle müssen unter solchen Perspektiven erneut kritisch überdacht werden.

Workshop 2

Drin. Senta Feselmayer und Dr. Wolfgang Beiglböck

Die psychotherapeutische Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Wie bei vielen psychischen Erkrankungen handelt es sich bei der Alkoholabhängigkeit um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung. Daher sind eine klare Diagnostik, ein multiprofessionelles Behandlungsteam und eine psychotherapeutische Behandlung gefordert, die sich dieser Erkrankung auf verschiedenen Ebenen nähern. Der Workshop wird verschiedene psychotherapeutische Ansätze widerspiegeln (Expositionstraining, Attributionsarbeit, ressourcenorientierte Arbeit) und auch auf Probleme in der Behandlung traumatisierter Alkoholkranker eingehen. Neben der Darstellung von psychotherapeutischen "Techniken" und den der "Motivationsstufe" entsprechenden Interventionen sollen auch Aspekte der Beziehungsgestaltung und Übungen im Sinne der Selbstreflexion angeboten werden.

Workshop 3

Günter Juhnke, MSc

Die psychotherapeutische Behandlung der Opiatabhängigkeit

Vor 1970 wurden Opiatabhängige in Österreich entweder eingesperrt oder in psychiatrischen Anstalten zwangsweise entgiftet. Heute ist der hohe Stellenwert der Psychotherapie innerhalb eines integrativen Behandlungskonzeptes jedoch unbestritten. Die "niedergelassene" Psychotherapie nimmt sich konsumierenden Opiatabhängigen jedoch immer noch zögerlich an. Dieses Setting gilt aufgrund ideologischer Vorannahmen und dem noch immer verbreiteten eingleisigen Therapieziel der Abstinenz als kontraindiziert. Dabei könnten neben der Abstinenz eine Vielzahl anderer Themen in der Psychotherapie aufgegriffen werden: Die "Grunderkrankung", Krisenhilfe, Motivationsarbeit, Traumaverarbeitung, Begleitung bei Aids-Erkrankungen und Hepatitis C, Sinnfindung trotz chronischer Suchterkrankung, etc. Dieser Workshop soll ein optimistisches Gegengewicht zur verbreiteten Meinung setzen und profitiert dabei von der langjährigen positiven Erfahrung des Vortragenden in der Psychotherapie mit Opiatabhängigen in freier Praxis.

Workshop 4

DSAin Silvia Franke und Dr. Walter North

Und es geht doch: Psychotherapeutische und psychiatrische Behandlung von Sucht und
psychiatrischer Komorbidität (Schwerpunkte ADHS, Borderline-Störung, Trauma / PTBS)

Laut zahlreichen Studien weisen suchtmittelmissbrauchende KlientInnen eine hohe Prävalenzrate psychischer Begleiterkrankungen auf, umgekehrt konsumieren auch KlientInnen mit psychischen Problemen häufig Suchtmittel. Die betroffenen KlientInnen gelten als "schwierig", standardisierte Therapiemodelle greifen nicht, Kontaktabbrüche, Rückfälle und längere instabile Phasen sind die Regel. Häufig sind die sogenannten "komorbiden Störungen" (in vielen Fällen die eigentliche Grunderkrankung) von den Auswirkungen des Substanzkonsums überlagert und damit auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen. Der Workshop soll themenspezifische Informationen zu den einzelnen Krankheitsbildern und ihrer Behandlung vermitteln, Möglichkeiten der praxisbezogenen Kooperation zwischen den Arbeitsfeldern Psychotherapie und Psychiatrie aufzeigen und damit ein besseres Verständnis der Problematik ermöglichen.

Workshop 5

Dr. Hermann Scharinger

Vom richtigen Abstand - Psychohygienische Aspekte bei der Arbeit mit süchtigen Beziehungsstrukturen

Die spannende Arbeit mit (Drogen-) Süchtigen birgt auch manche Risiken und "unerwünschte Nebenwirkungen", die bis hin zum Burnout führen können. Besonders hilfreich werden dabei die Kenntnisse eigener (Sucht-) Anteile und charakterlicher Reaktionsbereitschaften sowie das Kennenlernen unserer Möglichkeiten zum konstruktiven Umgang mit intensiven, zuweilen schwer erträglichen, meist hochambivalenten Gefühlszuständen. Im beziehungsvollen Spannungsfeld zwischen Ohnmacht und Allmacht, Selbstwertverlust und Grandiosität, Abhängigkeit und Unabhängigkeit ist das Wissen um die eigenen Grenzen von entscheidender Bedeutung. Die anspruchsvolle und durchaus lustvolle Arbeit in diesem herausfordernden Feld braucht als sichere Basis eine erhöhte Gewahrsamkeit für unsere eigene Mitte und möglichst viele zugängliche Ressourcen zur Stärkung derselben - sowohl beruflich als auch privat. Im Workshop soll über Selbsterfahrungs- und Theorieimpulse im praxisbezogenen Austausch die Sensibilität für das Thema erhöht werden.