Unser Menschenbild

Unser Menschenbild dreht sich um Polaritäten wie Wachstum und Regression, Autonomie und Angewiesenheit sowie Begegnung und Auseinandergehen. Übergeordnet finden wir Menschen uns in ein Spannungsfeld zwischen Leben und Sterben eingebettet. Bewusst zu leben bedeutet für uns, sich mit der Spannung zwischen diesen Polen auseinanderzu- setzen und sie damit lebendig zu halten.

Eine solche Auseinandersetzung wird Fragen aufwerfen, denen sich jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten stellen kann. In der individuellen Beantwortung dieser Fragen wird jeder Mensch einzigartig und unaustauschbar, er kann seine Wahlmöglichkeit und seine Angewiesenheit erfahren und vielleicht erkennen, dass er sich selbst gegenüber in der moralischen Pflicht steht, jenes Leben zu führen, das er mit innerer Zustimmung leben kann.

Wir wollen besonders die dialogische Existenz des Menschen betonen. Das bedeutet, dass wir nur in der Bezogenheit auf andere Menschen denkbar sind und wechselseitige Entwicklung und Wachsen in Freiheit nur in nicht-manipulativ geführten Begegnungen möglich wird.

Aus all dem leiten wir ab:

  1. Dass der Mensch im Rahmen seiner dialogischen Existenz selbst bestimmt  und selbst verantwortlich handeln kann und er mündig ist, die Richtung seines Lebensweges zu bestimmen.
  2. Dass es aber Lebensabschnitte gibt, während derer die Angewiesenheit der Menschen aufeinander besonders deutlich zu Tage tritt.
  3. Dass existenzielle Fragen nach individuellen Antworten verlangen und nicht durch allgemeine, ewig gültige Aussagen von ExpertInnen beantwortet werden können.
  4. Dass jede Entscheidung die der Mensch trifft seinen Wert und seine Würde festigen.
  5. Dass ihm auch in den aussichtslosesten Lebenslagen Wahlmöglichkeiten bleiben.
  6. Dass erst das Wahrgenommen werden eine Selbstwahrnehmung ermöglicht, die Voraussetzung für Wachstum und Veränderung ist.
  7. Dass aus der Sicht der hier beschriebenen Perspektive Krankheit von Außen definiert ist und an unserem Menschenbild vorbei geht, solange sie nicht auf ihre ressourcenerschließende und beziehungsgestaltende Wirkung hin untersucht wurde.