Beratungssituation

Beratungssituation

Südsudan: Lockdown ohne Kühlschrank und Strom

29.07.20 / 15:02

Caritas-Projektpartner Betram Kuol schildert in einem Brief an Georg Gnigler, unseren Caritas-Länderreferenten für den Südsudan, wie sich die Corona-Pandemie auf die ohnehin schon angespannte Lage in dem afrikanischen Land auswirkt. Helfen Sie mit Ihrer Spende, die Not zu lindern!

Bereits ohne das Coronavirus ist die Lage im Südsudan dramatisch: Viele der rund 13 Millionen EinwohnerInnen des afrikanischen Staates sind aufgrund von Dürren und bewaffneten Konflikten in den letzten Jahren von akutem Hunger und Armut betroffen. Die Caritas Steiermark unterstützt deshalb mehrere Projekte, um die Not der Menschen vor Ort zu lindern. Lesen Sie im Folgenden einen Brief unseres Projektpartners Betram Kuol, in dem er die durch das Coronavirus verschärfte Lage vor Ort schildert:

Ein Bericht aus dem Südsudan

Lieber Georg,
 
du hast mich gefragt, wie es uns Menschen im Südsudan angesichts der Pandemie geht.
 
Corona beeinflusst das Leben der Bevölkerung im Südsudan wie auch in der Welt auf vielfältige Weise. Die Maßnahmen, die gesetzt werden, sind ähnlich wie in den westlichen Ländern, die Ausgangssituation ist hier aber eine völlig andere:
Angesichts der extremen Armut im Land, fällt es den Menschen schwer zu Hause zu bleiben, denn sie müssen ihre Felder bewirtschaften um an Lebensmittel zu kommen. Die meisten haben keine Ersparnisse und die Preise am Markt sind teilweise um 50 Prozent gestiegen. Die lokal produzierten Nahrungsmittel werden auch immer knapper.

Immer mehr verzweifelte Familien verheiraten ihre kleinen Töchter, nur um an Geld zu kommen. Auch die Fälle von Mädchenschwangerschaften haben drastisch zugenommen. Viele unserer Schülerinnen werden deshalb nach der Wiedereröffnung der Schulen wohl nicht mehr zum Unterricht zurückkehren können.
 
Trotzdem bemühen wir uns, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen und alles zu tun, um die Menschen bestmöglich zu schützen und zu unterstützen!
 
Unsere Babyfeedingcenter sind derzeit zwar offiziell geschlossen, da wir eine Sondergenehmigung der Regierung haben, können wir Babys und Kleinkinder aber zum Glück dennoch mit Mahlzeiten helfen.
 
So oft wie möglich liefern wir auch Lebensmittelpakete an betroffene Familien nach Hause. Hier müssen wir aber besonders vorsichtig vorgehen, damit es zu keinen Rangeleien kommt, da es aufgrund der schlimmen Nahrungsmittelsituation in der Vergangenheit immer wieder zu Prügeleien und sogar zu Todesfällen gekommen ist.

Wir versuchen die Menschen so gut wie möglich mit Hygienemaßnahmen und social Distancing vertraut zu machen und stellen Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung – sofern wir die Mittel dazu haben.
 
Leider sind die Schulen noch immer geschlossen, trotzdem können wir von Zeit zu Zeit zumindest Informationsveranstaltungen zur COVID-19 Prävention anbieten.
 
Auch unsere Landwirtschaft ist von der Pandemie stark betroffen und wir erwarten eine erhebliche Verringerung der Maisernte.
 
Die einzige gute Nachricht ist, dass in der Umgebung von Juba, wo sich das Ausbildungsgelände unserer Farm befindet, bisher kein Befall mit Wüstenheuschrecken festgestellt wurde.

Derzeit sind die östlichen und südöstlichen Teile des Landes stark von Heuschrecken betroffen. In den kommenden Monaten kann es jedoch zu einem Anstieg kommen, wenn die Jungtiere schlüpfen und die Heuschrecken in andere Teile des Landes vordringen. Wir müssen das Schlimmste befürchten.
 
Danke für eure Unterstützung. Ich hoffe, Dir geht es gut!

Hakim

Betram Kuol

Ihre Spende hilft!

"Wie Sie dem Brief von Betram Kuol entnehmen können, stellt uns COVID-19 weltweit vor große Herausforderungen und verschärft den Hunger in vielen Ländern dramatisch!", so Caritas-Länderrefernt Georg Gnigler. "Als Caritas Steiermark unterstützen wir unsere ProjektpartnerInnen im Südsudan und Burundi bestmöglich, damit unsere wichtige Hilfe für Babyfeedingcenter, Lebensmittelausgaben und Landwirtschaftsprojekte auch in dieser angespannten Situation aufrecht erhalten werden kann und auch die Ärmsten und Schwächsten die Pandemie gut überstehen. Wir freuen uns wenn Sie uns dabei unterstützen!"

Mit 20 Euro kann ein Kind oder eine Witwe ein Monat lang mit nahrhaftem Essen versorgt werden.
Mit 50 Euro kann eine Familie mit Seife, Desinfektionsmittel und Schutzmasken ausgerüstet werden