Beratungssituation

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Megaphon kehrt auf die Straße zurück

05.05.20 / 07:46

Ein Megaphon-Verkäufer präsentiert die neuen Verkaufsschutzmaßnahmen

Foto: Marija Kanizaj

Seit Mitte März waren die 250 Megaphon-Verkäufer_innen nicht mehr auf den steirischen Straßen zu sehen. Am Dienstag, 5. Mai, kehren sie zurück – mit Mundschutz, Desinfektionsmittel und Spardose für Hygiene und Schutz im Verkauf. Vor den 250-Megaphon-Verkäufer_innen liegen fordernde Zeiten; durch die schwierigen Wochen des Lockdowns hat sie eine Welle der Solidarität der Megaphon-Leser_innen getragen.

Krisen treffen Menschen in sozialer Notlage besonders hart. Straßenzeitungsverkäufer_innen sind keine Ausnahme. Denn um ihren Beruf auszuüben, müssen sie im öffentlichen Raum stehen. Das war in den vergangenen Wochen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und der akuten Covid-19-Situation nicht möglich. Ab Dienstag, 5. Mai, kehrt das Megaphon und seine 250 Verkäufer_innen wieder in das Straßenbild der Steiermark zurück.

„Unsere Verkäufer_innen wollten schon lange wieder auf die Straßen zurückkehren, da sie von der Coronakrise besonders hart getroffen wurden und vor dem Nichts stehen“, erklärt Megaphon-Leiterin Sabine Gollmann. „Wir wollen unsere Verkäufer_innen bestmöglich schützen und sie erhalten daher ein Corona-Startpaket für den Straßenzeitungsverkauf in Covid-19-Zeiten.“

Corona-Startpaket für die Megaphon-Verkäufer_innen

Dieses Startpaket enthält eine Schutzmaske, Desinfektionsmittel, Handschuhe, eine Spardose sowie ein A3-Plakat, das den kontaktlosen Straßenzeitungsverkauf in Covid-19-Zeiten für die Käufer_innen erklärt. Außerdem darf jede_r Verkäufer_in alte Straßenzeitungen, die nicht mehr verkauft werden konnten, gegen das aktuelle Mai-Heft umtauschen und erhält 10 Hefte gratis zum Start. Darüber hinaus erhält jede_r Verkäufer_in Lebensmittelgutscheine im Wert von € 50,-.

Schwestern Sarah und Viktoria Stiendl nähen Schutzmasken für die Megaphon-Verkäufer_innen

Zwei Schwestern haben die Schutzmasken ehrenamtlich genäht: Sarah und Viktoria Stiendl haben dazu 20 m2 Stoff, 2 Kilometer Nähseide und 250 Meter Baumwollband verarbeitet. Der Kosmetikhersteller Ringana stellt das Desinfektionsmittel zur Verfügung, die 250 Spardosen kommen von der Hypo-Bank Steiermark – bereits mit jeweils 10 Euro als Spende gefüllt.

Welle der Solidarität

Für die Megaphon-Verkäufer_innen ist der 5. Mai ihr persönlicher Start in eine geänderten Alltag. Am 16. März hatte das Megaphon seinen Straßenverkauf vorübergehend ausgesetzt. „Wir mussten diesen Schritt setzen, um unsere Verkäuer_innen und ihre Mitmenschen zu schützen. Aber er hatte schwerwiegende Folgen für unsere Verkäufer_innen“, erklärt Sabine Gollmann, Megaphon-Leiterin. Unter dem Titel „Lesen. Spenden. Existenzen sichern.“ arbeitete die Megaphon-Redaktion online weiter und bat um finanzielle Unterstützung des Megafonds, eines Covid-19-Soforthilfefonds für die 250 Megaphon-Verkäufer_innen.

„Unsere Existenzberechtigung sind die 250 Verkäufer_innen – wir haben selbst und in unserem Umfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihnen zu helfen“, erklärt Megaphon-Chefredakteur Peter K. Wagner. Die hauptamtlichen Megaphon-Mitarbeiter_innen leisteten während der Coronakrise ehrenamtliche Mehrarbeit. Mit Mariella Kainz im Vertrieb und dem Social-Media-Experten David Kinzer in der Online-Redaktion erhielt das Megaphon darüber hinaus auch Unterstützung von Freiwilligen. Der Einsatz des gesamten Megaphon-Teams zahlte sich aus. Über 23.000 Euro konnten gesammelt werden. Die Gelder gingen ausnahmslos und direkt an die Verkäufer_innen, die Zuschüsse zu Mieten, Versicherungen oder Stromrechnungen bzw. Gutscheine für Lebensmittelmärkte erhielten.

23.000 Euro an Spenden

„Der Großteil der Gelder wurde von unseren treuen Leser_innen gespendet. 2.500 Euro stellte uns die Hypo Steiermark zur Verfügung. Es war eine außergewöhnliche Welle der Solidarität, die unsere Verkäufer_innen bisher durch die Krise getragen hat. Wir möchten uns dafür aufrichtig bei allen Menschen bedanken, die uns geholfen haben“, erklärt Gollmann.

Herausforderndes Jubiläumsjahr

Auch die Situation für die Straßenzeitung selbst ist herausfordernd – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, feiert das Megaphon doch im Herbst 2020 seinen 25. Geburtstag. Das Projekt, das Teil der Caritas Steiermark ist, konnte im April erstmals in seiner Geschichte zu Monatsanfang kein neues Magazin veröffentlichen. Die fehlenden Einnahmen durch den Heftverkauf – 50 Prozent des Verkaufspreises bleiben den Verkäufer_innen, 50 Prozent dem Projekt zur Deckung der laufenden Kosten – sowie Inserate müssen in den kommenden Wochen und Monaten aufgefangen werden.

„Wir hoffen daher, dass uns viele Menschen weiterhin unterstützen – mit dem Kauf unserer Straßenzeitung, unseres neuen Noitzbuchs ‚Briefe an mich’ oder dem Abschluss eines Solidaritätsabos“, erklärt Sabine Gollmann.

 

Honorarfreie Bilder zum Download (credit: Kanizaj): https://www.dropbox.com/sh/7hgv1xxc93a7ibf/AADoDj2Syn69Kua28GOnv0Ona?dl=0

Spenden für den Megafonds: www.megaphon.at/spenden

Infos zum Solidaritätsabo: www.megaphon.at/jahresabo

Megaphon "Sonderprodukt Brief an mich"

Sonderprodukt: "Briefe an mich" Notizbuch und Kolumnensammlung

Wenn ein Printmedium 25 Jahre alt wird, hat es viele Kolumnen und Formate erlebt. Eine besonders beliebte Megaphon-Serie der vergangenen Jahre nannte sich „Briefe an mich“. Bekannte Persönlichkeiten schrieben fürs Megaphon ihrem jüngeres Selbst. Und ließen darin tief in ihre Vergangenheit blicken. Zum Jubiläumsjahr haben wir 25 der besten Briefe ausgewählt und in dieses Buch gepackt. Darin ist zu erfahren, warum David Hasselhoff schon immer an eine große Karriere geglaubt hat. Aber auch, was Conchita Wurst der jungen Conchy, die es damals noch gar nicht gab, rät. Darüber hinaus ist dieses Buch ein Ort für Briefe ans eigene Selbst. Dank vieler leeren Seiten, die Raum zum Entfalten bieten. Für Notizen, Gedanken, Skizzen und vieles mehr. Alles, was es zusätzlich braucht, ist ein Stift.

 

Megaphon – Straßenmagazin und soziale Initiative

Die Straßenzeitung und soziale Initiative Megaphon ist ein Projekt der Caritas Steiermark und Teil des Internationalen Straßenzeitungsnetzwerk INSP (www.insp.ngo). Das Megaphon gehört seit bald einem Vierteljahrhundert zum Stadtbild von Graz und vieler weiterer Orte in der ganzen Steiermark. Über 200 Menschen erhalten durch den Verkauf des Monatsmagazins eine Chance für den sozialen Aufstieg und profitieren von Projekten der sozialen Initiative wie Deutschkursen oder Fußball. Nahezu alle Megaphon-Verkäuferinnen und -Verkäufer sind Menschen mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund.