Beratungssituation

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20 Jahre Schlupfhaus-Haus: Verschnaufen und Halt für 4.000 Jugendliche in Graz

11.10.19 / 09:23

Im Schlupfhaus, der Jugendnotschlafstelle der Caritas Steiermark in Graz, finden Jugendliche von 14 bis 21 Jahren Halt und Rat: Manche von ihnen brauchen ein Bett für eine Nacht, andere Wohnraum, Beratung und Begleitung auf ihrem Weg in die Zukunft. Seitdem das Schlupfhaus-Haus im Jahr 1999 am Mühlgangweg 1 eröffnet wurde, wurde das Angebot von rund 4.000 verschiedenen Jugendlichen in Not- und Krisensituationen genutzt. Anlässlich des Jubiläums hatten BesucherInnen heute, am 10. Oktober 2019, die Möglichkeit, die Einrichtung kennenzulernen.

⇒ Fotos (© Caritas) zum Download: https://wolke.caritas-steiermark.at/index.php/s/zxzpGcgjz9bkw5Y

„Gut, dass ich jetzt ein Bett habe! Wenn es das Schlupfhaus nicht gäbe, wäre ich jetzt irgendwo draußen“, erzählt ein Jugendlicher, der anonym bleiben will, von seiner ersten Nacht im Schlupfhaus. „Ich bin sofort eingeschlafen, weil es so angenehm war, ein Bett zu haben!“. Seine Stimme kommt von einer der Tonaufnahmen, die die MitarbeiterInnen des Schlupfhauses von den jugendlichen Gästen der Einrichtung gesammelt haben. Die BesucherInnen, die am heutigen Tag der offenen Tür anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Hauses gekommen sind, sollen so einen Einblick in den Alltag der Jugendnotschlafstelle bekommen.

Im Schlupfhaus sind alle willkommen

Die Gründe, warum junge Menschen hier landen, sind unterschiedlich: Oft passiert es völlig unerwartet und ein junger Mensch steht alleine auf der Straße.  Im günstigsten Fall hat er nur seinen Schlüssel verloren, im schlimmsten hat er kein Zuhause mehr. Vielleicht, weil seine Eltern nicht mehr für ihn aufkommen können, vielleicht, weil der Druck für ihn zuhause nicht mehr auszuhalten ist. In der Notschlafstelle können die Jugendlichen verschnaufen und zur Ruhe kommen, hier sind alle willkommen.

Ein selbstbestimmtes Leben als Ziel

Darüber hinaus werden die BesucherInnen in der Einzelfallarbeit zu allen Themen beraten, die ihr Leben betreffen und sie werden an spezialisierte Einrichtungen weitervermittelt oder zu Terminen begleitet. Eigene Ressourcen sollen dabei aktiviert und Zukunftsperspektiven entwickelt werden. In der mobilen Wohnbegleitung können Jugendliche dauerhaft in von Caritas-MitarbeiterInnen betreuten Wohnungen unterkommen. Das ambulante Angebot bietet zusätzlich Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Anlaufstelle, die die Notschlafstelle nicht brauchen, die aber aus verschiedenen Gründen trotzdem die meiste Zeit des Tages auf der Straße verbringen. Ziel ist es dabei immer, die Jugendlichen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes und lebenswertes Leben zu unterstützen.

Verlässlichkeit im Leben der Jugendlichen

Laut Schlupfhaus-Leiterin Gabriele Waerder ist es dabei vor allem wichtig, dass sich die Jugendlichen auf das Schlupfhaus als Fixpunkt verlassen können – das könne die Einrichtung 365 Tage im Jahr bieten. Und das wissen ihre jugendlichen BesucherInnen laut Waerder auch. „Das Besondere ist für mich der Kontakt zu den Kids und dass man ihnen oft auch schon mit Kleinigkeiten eine gute Unterstützung bieten kann“, erzählt die Schlupfhaus-Leiterin weiter, die außerdem betont: „Wirklich jeder von ihnen hat einen guten Kern – auch wenn er manchmal aufgrund der schwierigen Umstände in ihrem Leben etwas verschüttet ist.“

Neue Hoffnung für Elena

Im Wirkungsbericht der Caritas erfahren Sie außerdem, wie Elena und Ihr Freund im Schlupfhaus neue Hoffnung schöpfen konnten, nachdem sie von einem Tag auf den anderen plötzlich auf der Straße standen: https://www.caritas-wiewirwirken.at/beratung-und-existenzsicherung/

Schlupfhaus-Fakten

  • Jugendnotschlafstelle für 14- bis 21-Jährige
  • 1996 gegründet
  • seit 1999 im Haus am Mühlgangweg 1, 8010 Graz
  • täglich von 18 Uhr bis 9 Uhr, sowie Dienstag bis Freitag bis 11 Uhr geöffnet
  • 12 Schlafplätze, 7 für Burschen, 5 für Mädchen
  • tägliches Abendessen für 20 Jugendliche
  • 4.000 verschiedene Jugendliche Gäste seit der Gründung