Beratungssituation

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Caritasdirektor Beiglböck: „Zivilgesellschaft braucht staatliche Solidarität“

06.03.19 / 14:33

Haussammlungsverantwortlicher Georg Eichberger, Kuratoriumsvorsitzende Kristina Edlinger-Ploder mit Caritasdirektor Herbert Beiglböck

Foto: Caritas

„Die Zivilgesellschaft braucht staatliche Solidarität“ forderte Caritasdirektor Herbert Beiglböck am Mittwoch in Graz bei der Präsentation des Solidaritätsbarometers 2019. Diese Studie über Hilfsbereitschaft und Wertevorstellungen der Steirerinnen und Steirer hat die Caritas mit dem Grazer Soziologen Florian Brugger zum zweiten Mal erstellt. Sie ergibt eine grundsätzlich große Solidarität der Steirerinnen und Steirer, gegenüber dem Vorjahr ist der Wert jedoch leicht gesunken. Beiglböck sieht einen Zusammenhang zwischen der Einstellung der Menschen und Entwicklungen auf politischer Ebene.

„Wir erleben immer wieder Entscheidungen, bei denen die Zivilgesellschaft nicht ausreichend eingebunden ist“, erläuterte Beiglböck. „Das Dilemma um die Karfreitagsregelung zeigt, dass schnelles Handeln unter Druck keine guten Lösungen bringt.“ Er fürchte eine ähnliche Situation bei der Mindestsicherung. „Die Expertise vieler Seiten muss in politischen Entscheidungen ausreichend beachtet werden“, forderte Beiglböck. „Alle müssen eine Mitverantwortung und Teilhabe an der Gesellschaft haben“.

Ehrenamtliche setzen Akt gelebter Solidarität

Als einen „Akt der gelebten Solidarität“ beschrieb die Vorsitzende des Caritas-Kuratoriums, Kristina Edlinger-Ploder, die aktuelle Haussammlung, bei der steiermarkweit rund 4.000 Ehrenamtliche von Haus zu Haus gehen und um Spenden für Menschen in Not in der Steiermark bitten. Georg Eichberger, bei der Caritas verantwortlich für die Haussammlung, betonte: „Die Haussammler und HaussammlerInnen bitten um Solidarität mit Hilfsbedürftigen und setzen ihrerseits ein Zeichen für sozialen Zusammenhalt.“

Caritas-Haussammlung für Menschen in Not in der Steiermark

Zehn Prozent der Spendensumme aus der Sammlung, bleiben in der jeweiligen Pfarre für Caritas-Arbeit vor Ort, der Rest der Spenden fließt in die Einrichtungen der Nothilfe in der Caritas. Im Vorjahr flossen daraus knapp 800.000 Euro in die Finanzierung von Hilfsangeboten wie Notschlafstellen, Existenzberatung, medizinische Versorgung und Lebensmittelausgaben an Bedürftige in der Steiermark.

Messgröße für Solidarität

Im Jahr 2018 hat die Caritas Steiermark erstmals das Solidaritätsbarometer für die Steiermark erstellt. Die Idee hinter dieser Erhebung ist, eine Messgröße zu erhalten für die Einstellung der Menschen zu Werten wie Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft. Wesentlich für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist aus Sicht der Caritas die Solidarität der Menschen und die Bereitschaft, sie selbst zu leben. Der Grazer Soziologe Florian Brugger erstellt die Studie, die über fünf Jahre hinweg jährlich durchgeführt werden soll.

Demokratie braucht Solidarität

Brugger führt das Absinken des Wertes für Solidarität auf die zum Teil heftigen gesellschafts- und sozialpolitischen Debatten der vergangenen Monate zurück. Weiter ergab die Befragung, dass die Menschen in der Steiermark „Fremden“ gegenüber offen sind, allerdings erwarten, dass diese sich an das herrschende Wertesystem anpassen. Die Befragten bewerteten den Sozialstaat mit seinen Leistungen hoch, sind aber der Meinung, nur StaatsbürgerInnen und „gut Integrierte“ sollen einen Anspruch darauf haben. Die SteierInnen sind zudem in hohem Maße davon überzeugt, dass Solidarität und eine demokratische Gesinnung Grundvoraussetzungen für eine funktionierende Demokratie sind.

 

Informationen zur Haussammlung finden Sie hier: www.caritas-steiermark.at/haussammlung/