Beratungssituation

Beratungssituation

Arche 38 und FranzisCa: 25 Jahre für Obdachlose

15.12.17 / 10:29

Foto: Caritas

Ein dunkler Raum, ein Glas zerbricht. Plötzlich ist die Stimme einer jungen Frau zu hören: „Er schreit – schon wieder. Hoffentlich schläft meine Kleine weiter! Ich ertrag es schon irgendwie, ich bin stark! Bin ich stark? Ich muss: mein Kind. Wieso schreit er so? Wieso bin ich immer schuld? Er hat schon wieder getrunken. Ich halt‘ das nicht mehr aus … Aber wie soll ich weitermachen?“ Ein Baby beginnt zu schreien, die Verzweiflung der jungen Frau ist förmlich zu spüren. „Ich muss gehen! Weg von hier, schnell ein paar Sachen packen, solange er schläft. Endlich draußen. Bauchweh. Wohin jetzt?“

Tag der Offenen Tür und Ausstellung

Das Tonband endet, das beklemmende Gefühl bleibt: Zu hören war die Aufnahme im Rahmen einer Ausstellung, die Interessierten während des gestrigen „Tag der Offenen Tür“ einen Einblick in die Geschichte und den Alltag in die Caritas-Notschlafstellen „Arche 38“ und „FranzisCa“ in Graz gab. Gemeinsam mit weiteren exemplarischen Monologen konnten Besucher so ein Gefühl dafür bekommen, in welchen Situationen Menschen auf Obdachloseneinrichtungen angewiesen sind.

Ursprung Bahnhofsmission

Sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr, sind die beiden Häuser für Menschen in Krisensituationen geöffnet; zu Weihnachten genauso wie zu Silvester und an jedem anderen Feiertag. Und das seit mittlerweile 25 Jahren. Beide Häuser gehen ursprünglich allerdings bereits auf die in den Nachkriegsjahren in einer Baracke entstandene Bahnhofsmission am Grazer Hauptbahnhof zurück.

Inzwischen bietet die „Arche 38“ am Eggenberger Gürtel 38, 8020 Graz, 30 erwachsenen Männern Platz (mehr dazu hier https://www.caritas-steiermark.at/arche-38/ ), in der „FranzisCa“ Notschlafstelle in der Georgigasse 78, 8020 Graz, können bis zu 20 Frauen und deren Kinder unterkommen (https://www.caritas-steiermark.at/haus-franzisca/ ). In beiden Häusern hat sich das Angebot über die Jahre auf verschieden Beratungs- und Unterstützungsleistungen erweitert. Das Ziel ist es dabei immer, den Menschen wieder zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.

Mehr leistbares Wohnen gegen Obdachlosigkeit

An einem abendlichen Festakt im Garten des Haus FranzisCa auf dem Gelände der Grazer Schulschwestern, nahmen dann unter anderem die zweite Landtagspräsidentin Manuela Khom, Andrea Fink, Leiterin des Grazer Sozialamtes, Schwester Sonja Dolesch von den Schulschwestern, Caritasdirektor Herbert Beiglböck und Michael Lintner, Abteilungsleiter Basisversorgung der Caritas Steiermark, teil.

„Beide Häuser sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Angebotes in Graz, das sicherstellt, dass niemand auf der Straße schlafen muss“, verwies Sozialamts-Leiterin Andrea Fink auf die Zusammenarbeit mit den Caritas Einrichtungen. Caritasdirektor Herbert Beiglböck bedankte sich bei den vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von „Arche“ und „FranzisCa“ für deren unermüdlichen Einsatz. Darüber hinaus appelierte er aber vor allem dafür, die Gründe für Obdachlosigkeit in unserer Gesellschaft zu beseitigen: „Viele Menschen kommen auf dem immer schwieriger werdenden Wohnungsmarkt nicht mehr zurecht. Wir müssen deshalb den Aspekt des leistbaren Wohnens weiter in die Mitte rücken. Es braucht hier mehr Angebote, um die Obdachlosigkeit nicht zu verstärken.“

 

Foto weiter unten zum Download (© Caritas), von links: Moderatorin Shenja Paar, Michael Lintner, Abteilungsleiter Basisversorgung der Caritas Steiermark, die zweite Landtagspräsidentin Manuela Khom, Schwester Sonja Dolesch von den Schulschwestern, Andrea Fink, Leiterin des Grazer Sozialamtes und Caritasdirektor Herbert Beiglböck beim Festakt zum 25-jährigen Jubiläum von Arche 38 und FranzisCa.