Hermann Glettler zum vierten Fastensonntag

Der Bischofsvikar für Caritas teilt seine Gedanken zur Fastenzeit.

Ausgangspunkt

Wir leben in einer Atmosphäre eleganter Verdrängungen. Vieles lassen wir auf unserem persönlichen Radarschirm gar nicht vorkommen. Was wir nicht sehen wollen, sehen wir ja auch nicht. Wer könnte behaupten, keine blinden Flecken zu haben.

Botschaft

Es fällt niemanden leicht, sich wirklich anzuschauen, den Blick auf eine schwache Stelle zu richten. Wir fühlen uns meist gleich verurteilt. Aber wie wohltuend ein Blick, der nicht verurteilt, der aufbaut und heil macht.

Sonntagsevangelium

 

Wenn Sie heute die Möglichkeit haben, das Sonntagsevangelium zu hören, werden sie überrascht sein, wie unspektakulär der Blindgeborene sehend wird. Nicht viel Aufsehen, kein Hokuspokus. Jesus heilt, fast im Vorbeigehen. Aber: Die darauf folgende Geschichte hat es in sich. Eine Befragung nach der anderen, eine Auseinandersetzung folgt der nächsten. Niemand will glauben, dass Gott heilt – durch diesen einfachen Menschen Jesus. Glaube macht sehend!

Praxistipp

Es gibt einiges, was wir nicht sehen wollen, Situationen, wo wir bewusst wegschauen, Elend, das wir lieber nicht in den Blick nehmen usw. Hinschauen ist angesagt. Machen sie eine persönliche Hin-Schau-Übung. Und einiges wäre auch besser, nicht anzuschauen – Hand aufs Herz – viel Nonsens, Gewalt und Obszönes – im Netz kann man alles sehen – oder auch nicht. Vorschlag: Fasten mit den Augen!