Sozialberatung - Beispiele

Es gibt immer wieder ein Vorwärts!

Helfen heißt gut zuhören können und handeln

Der Sturz in den Abgrund kann manchmal schneller kommen, als man denkt. Und er trifft nicht nur Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen: "Zu uns kommen immer häufiger kinderreiche Familien und alleinerziehende Frauen", berichtet Maria Freidl, Sozialarbeiterin bei der Caritas Graz-Seckau aus ihrem Arbeitsalltag: Zuerst wurde die Wohnbeihilfe gekürzt, dann die Kindergartengebühren erhöht, für eine Mutter von fünf Kindern zwischen 12 und 2 Jahren war es somit unmöglich eine bezahlte Arbeit anzunehmen, die den Lebensunterhalt der Familie abdecken könnte. Knapp 1.000 Euro müssen für den 7-Personen-Haushalt pro Monat reichen, denn der Vater, ein gelernter Bauarbeiter, kann über die kalten Monate trotz hartnäckiger Suche keinen Arbeitsplatz finden. Dazu kommt der Druck, den die Mädchen und Buben in der Schule spüren: Hefte, Stifte, Turnsachen, Winterschuhe, Jacke - alles sollte so sein, wie bei den anderen auch.

"Nur nicht anmerken lassen, dass es uns schlecht geht. Nur nicht zeigen, dass wir arm sind", sagt die innere Stimme, die so gerne möchte, dass sich die Familie keine Blöße geben muss. "Armut zieht oft Isolation nach sich", weiß Freidl. Einsamkeit und Depressionen sind zwei beständige Begleiter der meist unsichtbaren Not unserer Nachbarn. Nach Monaten der Anspannung, der Arbeitssuche, der Anstrengung das nötige Geld für Miete und Strom aufzutreiben, verlieren viele Menschen die Kraft und fallen in ein tiefes Loch. Das trifft junge Familien, das trifft immer öfter auch Senioren, die ihr Lebtag lang gearbeitet haben und mit einer Mindestrente ihr Auskommen finden müssen. "Wir haben Jahrzehnte lang gespart, ein Haus gebaut und jetzt können wir es nicht mehr erhalten. Wir sehen zu, wie unser Lebenswerk kaputt geht", heißt es dann.

Zum kaputten Alltag kommt eine kaputte Seele. "Wir müssen gut zuhören können, denn wir begleiten diese Menschen ein Stück auf ihrem Weg. Nur so können wir helfen. Es gibt immer ein Vorwärts", freut sich Maria Freidl. Denn Dank der Unterstützung von Spendern, können viele kleinen Nöte meist gelindert werden, bevor es zu spät ist. Diese Hilfe kann zum Beispiel so aussehen, dass als Überbrückung die Miete und die Stromrechnung bezahlt wird. Dann haben die Betroffenen wenigstens etwas Luft, um sich wieder zu erfangen und aus eigener Kraft weiter zu kommen. Informationen, welche Unterstützungen es von Seiten des Landes oder des Bundes gibt, sind dabei ebenso hilfreich, wie viele, viele Gespräche mit den Betroffenen, damit sie dem Leidensdruck standhalten und wieder eigene Zukunftsperspektiven entwickeln. So war das beispielsweise bei der Mutter eines behinderten Jungen, dessen ältere Schwester völlig vernachlässigt im Schatten stand. "Niemand hat sich darum gekümmert, ob das Mädchen regelmäßig isst, ob es lernt oder dass es spielt." Die alleinerziehende Frau - ihr Mann hatte sie nach der Geburt des behinderten Sohnes verlassen - war völlig überfordert. Nicht der Mangel an Geld stand hier im Vordergrund, sondern vielmehr der Mangel an Aufmerksamkeit gegenüber der Tochter. Daher galt es ganz behutsam das Augenmerk auch auf sie zu lenken. Gemeinsam mit dem Jugendamt, mit den Lehrern und mit engagierten Nachbarn in der Pfarre ist das auch Schritt für Schritt gelungen.

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