Aus der Praxis
Fallbeispiel:
Frau Z.* ist eine 50jährige Frau, die schon längere Zeit von einer Caritaseinrichtung begleitet wird. In ihrer Lebensgeschichte gab es Phasen, wo sie in der Sucht die einzige Möglichkeit sah, ihr Leben zu ertragen und zu bewältigen. In der Wohnungssicherung (WOG) hat sie eine Einrichtung gefunden, die wenigstens in Wohnungsangelegenheiten unterstützt.
Im Laufe dieser Betreuung stellt sich aber heraus, dass die Klientin auch Unterstützung bei Bankwegen braucht, damit ihre Zahlungen rechtzeitig getätigt werden. Diese Leistung geht über das Angebot der WOG hinaus. Deshalb wird ihr als Patin Frau Kals vom Projekt Sozius zur Seite gestellt, die Frau Z. bei ihren Bankwegen begleitet.
Frau Kals stellt sehr bald fest, dass ihre Klientin auch mit schwerwiegenden finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Sie weiß auch, dass es für dieses Problem spezielle Einrichtungen gibt und meldet den Bedarf an den Betreuer in der WOG zurück.
Den Auftrag, für die zeitgerechte Erledigung der Zahlungen zu sorgen, hat Frau Kals erfolgreich abgeschlossen. Ihre Leistung geht aber darüber hinaus: In Frau Kals hat Frau Z. eine Ansprechperson gefunden, der sie vertraut und mit der sie über ihre Probleme reden kann.
Gleichzeitig hat Frau Kals Erfahrungen gesammelt und Kompetenzen erworben, die ihr in ihrer Ausbildung im Sozialbereich von Nutzen sein ist.
* Initial geändert
Erfahrungsbericht: Elfriede Schwarzenegger über Sozius
Sozius, ehrenamtliche Begleitung arbeitsloser Menschen im Rahmen von "Werkstart" - welche Bedeutung hat diese Tätigkeit für die Menschen, die ich begleiten darf und für mich persönlich.
Menschen ohne Arbeit leben vielfach ohne Perspektive und befinden sich in vielen Bereichen in einer Ausnahmesituation: persönlich, sozial, finanziell und häufig auch auf Grund sprachlicher Barrieren, da viele der Betroffenen nicht aus Österreich stammen und oft erst seit kurzer Zeit hier leben.
In diesen Bereichen Hilfestellung anzubieten, sehe ich als meine Aufgabe als Begleitperson und persönlicher Ansprechpartner. Menschen ohne Job suchen nicht nur einen Arbeitsplatz, sie brauchen vor allem Verständnis und Akzeptanz ihrer gegenwärtigen Situation.
Wesentliche Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind für mich als Begleitperson:
• Empathie, Kongruenz und Kompetenz, um eine Vertrauensbasis zu schaffen
und darauf aufzubauen.
• realistische Einschätzung der persönlichen und beruflichen Situation und der
sich daraus ergebenden Möglichkeiten
• Motivation
• praktische Hilfestellung bei Jobsuche/Praktikum:
- persönliche Kontakte nutzen
- gemeinsam Stellangebote durchsehen
- Kontakte herstellen
- Lebenslauf schreiben/aktualisieren
- Bewerbungen schreiben
- evtl. Begleitung bei Vorstellungsgesprächen
• Hilfestellung bei sprachlichen Schwierigkeiten
- Vermittlung von Sprachkursen
- Hilfestellung bei der Aufarbeitung des Lernstoffes
- Sprech- und Leseübungen (Zeitungen/leichte Lektüre lesen, darüber
sprechen)
• Einbeziehung des persönlichen Umfeldes des zu Betreuenden, wenn dies
gewünscht wird.
Viele Menschen, die schon seit längerer Zeit ohne Beschäftigung sind und/oder nicht aus Österreich stammen, leben leider oft sehr isoliert und hier werden Gespräche über persönliche Probleme, Familie, Kinder oder persönliche Interessen gerne angenommen.
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