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Hunger im Westsahel - 30.05.12

Caritas-Katastrophenhilfechefin Sabine Wartha: "Bitte sehen Sie nicht weg!" Fotocredit: Caritas/Lauener

Caritas-Katastrophenchefin Sabine Wartha ist kürzlich aus dem Tschad zurückgekehrt, einem der am meisten von der aktuellen Hungersnot betroffenen Länder. Dort spitzt sich die Lage für die betroffenen Menschen täglich weiter zu. 

Wie lange und wo waren Sie vor Ort?

Ich komme soeben von einem einwöchigen Hilfseinsatz aus dem Tschad/Sahelzone zurück.

Wie ist die aktuelle Lage?

Die Lage ist wirklich dramatisch. Die Sahelzone ist eine chronische Krisenregion und jetzt ist seit neun Monaten der Regen ausgeblieben. Die Lebensmittelpreise sind massiv gestiegen, Getreide um unglaubliche 50 Prozent. 1 kg Hirse kostet mittlerweile 30 Cent. Gleichzeitig haben die Menschen im Tschad ein durchschnittlich Pro-Kopf-Einkommen von nur 1 Dollar pro Tag. Der Tschad hat die höchste Rate an stark unterernährten Menschen, mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sind betroffen.

Wie sieht die Wasserversorgung aus?

Die Dörfer liegen teilweise sehr abgelegen, viele Brunnen sind komplett ausgetrocknet, um Wasser zu bekommen müssen die Frauen bei glühender Hitze lange, beschwerliche Wege von 10-15km zum nächsten Brunnen auf sich nehmen und das bei Temperaturen von 49°C. Es herrscht eine wahre Hitzehölle, die ich trotz meiner jahrelangen Erfahrung noch nie erlebt habe. Es ist unvorstellbar, wie die Menschen unter diesen Bedingungen überleben können.

Wie ist es Ihnen persönlich bei dieser Hitze gegangen?

Obwohl ich schon viele schwierige Hilfseinsätze geleitet habe. Die Temperaturen haben mir extrem zugesetzt. Und klar ist auch: Wasser ist hier überlebenswichtig!

Wie hilft die Caritas Österreich?

Wir haben als Caritas in einem ersten Schritt 485.000  Euro für die Nothilfe in der Sahelregion zur Verfügung gestellt; brauchen aber dringend weitere Spenden für Lebensmittel- und Saatgutverteilung.

Und was ist Ihr Wunsch an die Menschen in Österreich?

Aufgrund der Lebensmittelknappheit essen auch die kleinen Kinder im Tschad nur noch einmal pro Tag. Mein Appell an die ÖsterreicherInnen: Bitte sehen Sie nicht weg: Die Menschen sind dringend auf unsere Unterstützung angewiesen. Jetzt haben wir noch die Möglichkeit, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Wir brauchen weitere Spenden um mit großen Nothilfeprojekten das Schlimmste zu abzuwenden.

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