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Ein Dach über 17 Köpfen - 16.02.10

Phénol Estiverne und seine Familie können nun ruhig schlafen.
Die Caritas verteilt in den nächsten Tagen mit Spenden aus Österreich rund 5000 Zelte an Erdbebenopfer in Haiti. Diese regensicheren Zelte sind insbesondere ob der nahenden Regenzeit ein wichtiger Schutz für die Menschen. Insgesamt gibt die Caritas mit Zelten oder anderen Notunterkünften 200.000 Opfern des Erdbebens ein Dach über dem Kopf.
Das Haus von Phénol Estiverne wurde vom Erdbeben am 12. Januar in Haiti nicht zerstört. Der schmucklose Ziegelbau steht immer noch in einem kleinen Wäldchen auf einem Hügel im Stadtteil Martissant in der Hauptstadt Port-au-Prince. Doch durch sämtliche Mauern ziehen sich tiefe Risse. Im Haus zu wohnen ist gefährlich - bei einem neuerlichen Nachbeben könnte es einstürzen und die sechsköpfige Familie unter sich zu begraben. Phénol Estiverne und seine Frau haben vier Kinder, das Jüngste ist elf Jahre alt.
Etwa 1,2 Millionen Menschen in Haiti geht es wie Phénol Estiverne und seiner Familie. Sie alle brauchen eine Unterkunft für die Regenzeit, die spätestens im April beginnen soll. Aber bereits jetzt regnet es vereinzelt. Bisher sind viele Menschen in notdürftigen Behausungen, aus Holzpflöcken, die mit Tüchern bespannt worden sind, untergebracht. Viele davon stehen in Camps, die auf jeder freien Fläche in Port-au- Prince gewachsen sind. Verschiedene Hilfsorganisationen setzen vermehrt auf so genannte Shelter Kits - Plastikplanen und Schnüre, um die Behausungen besser gegen starken Regen zu schützen. Bis zum 1. Mai soll jede der 250.000 obdachlosen Familien zumindest ein solches Kit erhalten haben.
Die Regenzeit steht vor der Tür
Die Hilfsorganisationen helfen den Menschen aber auch mit Zelten. Diese können verschlossen werden, das Gerüst besteht aus stabilen Metallstangen. Damit stellen sie einen besseren Schutz gegen den Regen dar und sollen auch die Hurrican-Saison im Sommer überstehen. Die Caritas Österreich stellt 5.000 weiße, regensichere Familienzelte zur Verfügung. Diese werden die Caritas-MitarbeiterInnen, darunter die Vorarlbergerin Ilse Simma, in den nächsten Tagen in den am schwersten vom Erdbeben betroffenen Gebieten verteilen. Insgesamt gibt die Caritas mit Zelten oder anderen Notunterkünften 200.000 Opfern des Erdbebens ein Dach über dem Kopf.
Auch die Familie von Phénol Estiverne hat ein solches Zelt erhalten. Seit drei Tagen nun schläft der 54-Jährige deswegen beruhigter. Er hat das Zelt neben seinem Haus aufgeschlagen und rund herum eine Ableitung gegraben, die das Regenwasser abführen soll. Phénol Estiverne arbeitet im Hospital St. Francois de Salle in Port au Prince als Elektriker. Sämtliche Angestellte und die Patienten, die entlassen werden, werden dort mit solchen Zelten ausgestattet - insgesamt mehr als 400 Stück verteilt das Caritas-Team hier.
Bei den Zelten kann der wasserfeste Boden abgenommen werden. Er dient Phénol Estiverne und seiner Familie jetzt als kleines Vordach, unter dem man ebenso vor den schweren Güssen der Regenzeit, die bereits jetzt vereinzelt einsetzen, geschützt ist. Geschlafen wird auf Teppichen und Pölstern, auf Matratzen und allem, was weich ist. Und da jetzt genug Schutz vor Regen vorhanden ist, sind auch die Nachbarn gekommen, um in dem Zelt unterzuschlüpfen. Insgesamt 17 Personen, darunter viele Kinder, verbringen ihre Nächte hier.
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